Kleine Münzen : Warum Deutschland Ein- und Zwei-Cent-Stücke nicht braucht

Ihre Herstellung ist teuer, ihre Nutzung lästig. Fünf Gründe, warum die Abschaffung der Ein- und Zwei-Cent-Stücke auch für Deutschland eine gute Idee wäre.

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Ein- und Zwei-Cent-Stücke kosten in der Herstellung mehr, als sie wert sind.
Ein- und Zwei-Cent-Stücke kosten in der Herstellung mehr, als sie wert sind.Foto: dpa

Krösus haben sie reich gemacht. Der letzte König der Lyder hat einst die Münzen erfunden. Statt Ware gegen Ware zu tauschen, hatten die Menschen damals begonnen, mit Gold zu zahlen. Weil man jedes Goldstück aber erst abwiegen musste, machte das den Handel nur bedingt leichter. So kam Krösus auf die Idee, Goldmünzen mit einem einheitlichen Gewicht herzustellen. Um das zu garantieren, versah er die Stücke mit einer Prägung, die die Wappentiere Löwe und Stier zeigte. Das war vor mehr als 2500 Jahren. Noch heute klimpert es, wenn die Menschen in ihrer Geldbörse wühlen. Dabei sind gerade die kleinen Münzen inzwischen vielen lästig. Die Italiener, die traditionell ohnehin lieber mit Scheinen bezahlen, sagen deshalb nun: Basta! Ab 2018 will das Land keine Ein- und Zwei-Cent-Stücke mehr herstellen lassen. Fünf Gründe, warum der Verzicht auf diese Münzen auch im bargeldverliebten Deutschland nicht schaden würde.

1. Die Münzen sind lästig

63 Euro trägt der Deutsche im Schnitt als Bargeld mit sich herum – fast acht Euro davon in Münzen. Die großen Ein- und Zwei-Euro-Stücke wird man schnell los, doch mit den Kupferstücken ist das so eine Sache. Viele Automaten nehmen Ein- und Zwei-Cent-Stücke nicht an. Und an der Kasse will man auch nicht ewig viele Münzen zusammenkramen. Dabei ist das laut Gesetz erlaubt: Bis zu 50 Münzen müssen Händler pro Kunde annehmen. In der Praxis liegt die Geduldsschwelle aber wohl sehr viel niedriger. Entsprechend oft verschwinden die kleinen Münzen im Sparschwein oder Einweckglas. Die Bundesbank hat errechnet, dass die Deutschen im Schnitt 208 Ein- oder Zwei-Cent-Münzen besitzen. Die Bayern haben dafür ein niedliches Wort gefunden, sie sprechen vom „Kupferschmarrn“.

2. Die Prägung ist ein Minusgeschäft

Auch weil so viele Menschen die Ein- und Zwei-Cent-Stücke horten, sind sie die mit Abstand häufigsten Münzen im Euro-Raum. Fast die Hälfte der 115 Milliarden Euro-Münzen, die derzeit im Umlauf sind, sind Ein- und Zwei-Cent-Stücke. Ökonomisch sinnvoll ist das nicht. Denn die Produktion der Kleinstmünzen kostet mehr, als sie überhaupt wert sind. Eine Ein-Cent-Münze zu prägen, schlägt mit 1,65 Cent zu Buche. In der Summe läppert sich das. Seit der Euro-Einführung haben die Europäer deshalb bereits mehr als eine Milliarde Euro für die Herstellung der Kleinstmünzen draufgezahlt.

3. Andere Länder haben gute Erfahrungen gemacht

Deshalb haben sich einige Länder bereits von den kleinen Münzen verabschiedet – zuletzt Irland vor zwei Jahren. Rechnungsbeträge werden dort nun auf- oder abgerundet. Abgeschaut haben sich die Iren das möglicherweise in Finnland. Die Finnen haben schon bei der Einführung des Euros 2002 nur vergleichsweise wenige Ein- und Zwei-Cent-Stücke herausgegeben, kurz darauf haben sie die Prägung für den allgemeinen Gebrauch ganz eingestellt. Zahlen Touristen heute mit Ein- oder Zwei-Cent-Stücken, nehmen die Finnen sie an – nicht selten sollen die Münzen dann aber im Müll landen. Auch die Niederlande geben seit 2004 keine neuen Ein- und Zwei-Cent-Stücke mehr aus, Belgien hat ihre Verwendung reduziert. Dabei ist der Überdruss der Cent-Stücke kein Phänomen, das rein auf die Euro-Zone beschränkt ist. Kanada hat zum Beispiel ebenfalls die Prägung seiner Ein-Cent-Münze eingestellt, Australien hat sich von der Ein- und Zwei-Cent-Münze getrennt, Neuseeland von der Ein-, Zwei- und Fünf-Cent-Münze.

4. Viele Deutsche sind nicht abgeneigt

Hierzulande könnten die meisten Verbraucher ebenfalls auf die kleinen Kupferstücke verzichten. Fast 60 Prozent der Deutschen sind laut einer Umfrage von myMarktforschung für die Abschaffung der Ein- und Zwei-Cent-Stücke. Fast 80 Prozent begründen das damit, dass sie zu viel Platz wegnehmen, in Portemonnaie oder Hosentasche zu schwer sind. Dass man theoretisch auf die kleinen Münzen verzichten kann, hat ein Experiment in Kleve gezeigt. Dort haben Händler die Beträge auf- beziehungsweise abgerundet, um keine Ein- oder Zwei-Cent-Stücke mehr annehmen zu müssen. Bei den meisten Kunden kam das gut an.

5. Gerundete Beträge sind ehrlicher

So sagten in Kleve auch die wenigsten Verbraucher (nur zwölf Prozent), dass sie Angst hätten, durch das Runden mehr bezahlen zu müssen. Viele Händler wählen Preise, die mit 89 oder 99 Cent aufhören – ein psychologischer Trick, um Kunden dazu zu verleiten, mehr zu kaufen. Gerundete Beträge sind dagegen ehrlicher. So sieht man das zumindest bei der Drogeriemarktkette dm, die ihre Preise bereits seit Jahren auf Fünfer-Endungen rundet. Geschäftsführer Erich Harsch sagt, sie wollten den Kunden „kein scheinbares Unterschreiten von Preisschwellen suggerieren“.

6. Freiheit des Bargelds bleibt erhalten

Manche argumentieren: Die Abschaffung von Ein- und Zwei-Cent-Münzen sei der Einstieg in den Ausstieg aus dem Bargeld. Doch diese Angst ist unbegründet. Schafft man die Ein- und Zwei-Cent-Münzen ab, die den meisten lästig sind, würde man das Bargeld stattdessen wieder attraktiver machen – und die Schlangen an der Supermarktkasse kürzer.


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