Wirtschaft : Kleine und mittlere Firmen ziehen die deutsche Konjunktur - Deutlich bessere Stimmung im Mittelstand

Kleinere und mittlere Unternehmen in Deutschland erweisen sich nach einer Untersuchung der Creditreform Wirtschaftsforschung in Neuss zunehmend als Konjunkturlokomotive. Gegenüber dem Frühjahr vergangenen Jahres habe sich die Lage des Mittelstandes deutlich verbessert, sagte der Hauptgeschäftsführer von Creditreform, Helmut Rödl, am Donnerstag in Berlin. Davon werde in Kürze auch der Arbeitsmarkt profitieren. Gut ein Fünftel der mehr als 5000 befragten Firmen wollten ihren Personalbestand aufstocken, hat die Creditreform ermittelt. Die Auftragsbücher vieler Betriebe sind gut gefüllt. 38 Prozent bezeichneten ihre Auftragslage als gut bis sehr gut. Vor einem Jahr waren dies nur 27,2 Prozent. Auch die Umsätze legten entsprechend zu. 27,6 Prozent der Unternehmen berichteten von gestiegenen Erlösen. Im Vorjahr klagte noch fast jeder zweite Firma über sinkende Umsätze.

Schlechte Ertragslage im Osten

Die günstige Entwicklung schlägt sich jedoch nicht unbedingt auch in steigenden Gewinnen nieder. "Die Ertragsschwäche bleibt die Achillesferse vieler kleiner und mittler Unternehmen", sagte Rödl. Im Westen verblieben im Schnitt von 100 Mark Umsatz nur 3,30 Mark als Gewinn in der Kasse. Im Osten seien dies sogar nur 2,60 Mark. Solche Renditen reichten meist gerade aus, um die Lebenshaltungskosten der Firmeninhaber zu decken.

Vor allem für den Dienstleistungssektor erwartet Creditreform in absehbarer Zeit einen spürbaren Beschäftigungszuwachs. Zwar habe der Mittelstand insgesamt im vergangenen halben Jahr noch einmal mehr Stellen gestrichen als neue geschaffen, sagte Rödl. Mit 20,5 Prozent wollten jetzt aber wesentlich mehr Firmen zusätzliche Kräfte einstellen als noch bei der Umfrage vor einem Jahr angegeben worden war (14,4 Prozent).

Zur Verbesserung der wirtschaftlichen Lage habe auch ein beschleunigter Zahlungseingang beigetragen. Immerhin gehen bei 54,4 (1999: 47,8) Prozent der Unternehmen die Rechnungsbeträge inzwischen innerhalb von 30 Tagen ein. Rund 90 Prozent bekämen ihr Geld in der "noch einigermaßen erträglichen" Frist von zwei Monaten, erklärte Rödl. Möglicherweise zeige hier das ab 1. Mai 2000 geltende Gesetz zur Verbesserung der Zahlungsmoral bereits seine Wirkung, das unter anderem deutlich höhere Verzugszinsen als bisher vorsieht, meinte der Creditreform-Hauptgeschäftsführer.

Als weiterhin problematisch beurteilt Creditreform die Eigenkapitalausstattung vieler Firmen. Gegenwärtig verfügen den Angaben zufolge 36,4 (34,7) Prozent der Unternehmen nur über eine "dürftige" Eigenkapitaldecke von weniger als zehn Prozent der Bilanzsumme.

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