Wirtschaft : Kleinen Spielraum gut genutzt

Alfons Frese

Das Leben besteht nicht nur aus Arbeit, sagt Dieter Schulte bald 50 Jahre nach der Maurerlehre - und geht in den Ruhestand. Er hat einen guten DGB-Chef abgegeben. Der Umzug des Verbandes von Düsseldorf nach Berlin ging ziemlich reibungslos über die Bühne, der DGB bekam eine neue Organisationsstruktur und Schultes Stimme hatte Gewicht in den sozialpolitischen Debatten der vergangenen Jahre. Und auch ein wenig Einfluss. Gemeinsam mit Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt setzte er Impulse für das Bündnis für Arbeit. Insbesondere mit ihrer Erklärung aus dem Sommer 1999, die schließlich die Tarifparteien zu einer beschäftigungsfördernden Tarifrunde 2000/2001 animierte. Das war allerdings die Ausnahme, denn der DGB-Vorsitzende ist machtlos und muss sich mehr oder weniger nach den Vorgaben der Einzelgewerkschaften richten. Klaus Zwickel, Frank Bsirske und Hubertus Schmoldt bestimmen die Richtung. Aber dennoch: Schulte hat sich im Laufe der Jahre Eigenständigkeit erarbeitet und den Laden gut zusammengehalten; schließlich gibt es durchaus ideologische und organisationspolitische Differenzen zwischen den einzelnen Gewerkschaften. Der DGB-Vorsitzende als Moderator und Koordinator - in diese Rolle muss der potenzielle Nachfolger Michael Sommer hineinwachsen. Einfach wird das nicht, denn nach dem Fusionsprozess der letzten Jahre bestimmen drei Gewerkschaften das Geschehen. Und je weniger Einzelgewerkschaften es gibt, desto größer die Legitimationskrise des DGB. Wozu braucht es noch einen Deutschen Gewerkschaftsbund? Wenn Sommer die Frage schlüssig beantwortet, dann werden ihm Schultes Schuhe passen.

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