Wirtschaft : Kleines Auto, großer Schaden

Moritz Döbler

Die Aktionäre von Daimler-Chrysler dürften Jürgen Schrempp und Eckhard Cordes bei der Hauptversammlung am Mittwoch noch mit einigen Fragen zum Smart- Fiasko piesacken. Dabei haben beide schon für sich reklamiert, sie handelten ganz im Sinne der Anteilseigner. „Die Fortführung von Smart ist die bei weitem beste Lösung aus Sicht der Aktionäre“, sagte Cordes. „Eine Schließung der einzigartigen Marke Smart wäre teurer gewesen“, meinte Schrempp.

Nachvollziehen lässt sich die Rechnung nur in groben Zügen. Schätzungen zufolge hat der Smart, der 1998 auf den Markt kam, bislang 2,6 Milliarden Euro gekostet. Hinzu kommen die jetzt avisierten Sanierungskosten von 1,2 Milliarden Euro und nochmalige Verluste in ähnlicher Größenordnung, denn erst 2007 soll der Smart schwarze Zahlen schreiben. Die gesamten bis dahin aufgelaufenen Kosten und Verluste von mindestens vier bis fünf Milliarden Euro sind aber dann natürlich noch nicht hereingeholt.

Diese Riesensumme entspricht der Größenordnung des gesamten operativen Jahresergebnisses des schwäbisch- amerikanischen Konzerns. Die Arbeit eines Jahres von bald 400000 Mitarbeitern für die Katz, ökonomisch jedenfalls: Das ist die Relation, so großen Schaden kann ein so kleines Auto anrichten.

Wenn der Smart 2007 die Gewinnschwelle erreicht und in den Folgejahren Profite von, sagen wir einfach mal 500 Millionen Euro, erwirtschaftet – dann dauert es um die zehn Jahre, bis sich die Sache wirklich anfängt zu lohnen. Sind es nur 250 Millionen, dauert es um die 20 Jahre. So viel langen Atem erwarten Schrempp und Cordes von ihren Aktionären.

Ein Trost bleibt: Auch der Käfer, ein ähnlich einzigartiges, geniales Fahrzeug in seiner Epoche, bescherte am Anfang keine Gewinne – und dann lief er und lief und lief. Wobei das beim Smart auch nötig sein wird, um die Aktionäre in ein paar Jahren für den Smart einzunehmen. Falls es ihn dann noch gibt.

schaut auf das Smart-

Fiasko bei Daimler-Chrysler

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