Wirtschaft : Kleinfeld bringt Siemens auf neuen Kurs

Fusion der wenig profitablen Kommunikationssparten bereits angelaufen / Mischkonzern soll zum flexiblen Dienstleister werden

Nicole Adolph

München - Mit dem Wechsel an der Siemens-Spitze von Heinrich von Pierer zu Klaus Kleinfeld hat der Konzern nicht nur den Generationenwechsel eingeläutet, sondern auch den Zeitpunkt für einen strategischen Wandel genutzt. Die Zusammenlegung der Netzwerk- und Mobilfunksparten ICN und ICM, die auf Betreiben von Kleinfeld gestartet worden war, gilt als tiefgreifendste Veränderung bei Siemens in den vergangenen Jahren.

„Der Schritt war überfällig. Siemens kann jetzt im Netzwerkbereich wieder wettbewerbsfähig werden“, sagte Analyst Roland Pitz von der Hypo-Vereinsbank. Weil Technik und Kundenstruktur von Festnetz und Handy zusehends verschmelzen, haben Siemens-Konkurrenten wie Alcatel und Ericsson ihr Netzwerkgeschäft längst zusammengefasst. Die Fusion der renditeschwachen Bereiche wird Christoph Niesel von Union Investment zufolge nicht der letzte Schritt sein. „Innerhalb dieses Bereichs muss noch Einiges passieren, wenn sich die Margen verbessern sollen“, sagte er. Niesel geht davon aus, dass Kleinfeld sich von Teilen der Kommunikationssparte trennen, weitere Kooperationen eingehen oder neue Produkte ins Portfolio aufnehmen wird.

Analysten erwarten, dass der fusionierte Geschäftsbereich 2004/05 eine Rendite von drei Prozent schafft. Die interne Siemens-Vorgabe liegt bei acht bis elf Prozent. Auf dem Prüfstand steht den Analysten zufolge auch das schwankungsanfällige Handygeschäft. „Ich glaube nicht, dass die Sparte verkauft wird“, sagte Pitz. Wahrscheinlich sei, dass Siemens seine Kooperation mit dem chinesischen Partner Ningo Bird ausbaue und Handys zunehmend im Ausland unter dem Siemens-Logo bauen lasse.

Niesel zufolge wird Kleinfeld noch stärker auf Profitabilität achten und unrentable Aktivitäten – etwa die Sparte für Produktions- und Logistiksysteme oder den IT-Dienstleister SBS – abstoßen. Kurzfristig sei aber kein „strategischer Rundumschlag“ von Kleinfeld zu erwarten. Niesel: „Siemens ist zu verflochten, um plötzlich alles umzukrempeln.“ Das ist auch gar nicht nötig: Die Strategieprogramme der letzten Jahre tragen ohnehin Kleinfelds Stempel. Die Programme „top plus“ zur Steigerung der Ertragskraft und das neue „Siemens Management System“ gehen auf den 46-Jährigen zurück. Er forcierte den Gedanken, Siemens vom Bürokratie-Koloss zum Dienstleister umzubauen.

Die Arbeitnehmerseite erhofft sich von Kleinfeld ein engeres Verhältnis, als sie es mit von Pierer zuletzt wegen des Streits um längere Arbeitszeiten hatte. „Er ist immer auf uns zugegangen“, sagt ein Betriebsrat. „Ich hoffe, dass das die Chance für einen Neuanfang ist“, sagte Wolfgang Müller von Bayerns IG Metall. „Viel schlechter als zuletzt unter von Pierer können die Arbeitsbedingungen gar nicht mehr werden.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben