Wirtschaft : Kleinstaaterei gegen Großbankenträume

Politik und Verbände diskutieren: Soll es eine große Landesbank geben oder sollen mehrere Institute bestehen bleiben?

Daniel Rhee-Piening

Berlin - Der Mann aus Stuttgart hat gut reden. Als größte deutsche Landesbank stehe für die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) eine weitere Konsolidierung der Bankenlandschaft im Fokus, sagte deren Vorstandsvorsitzender Siegfried Jaschinski dieser Tage. Gerade haben die Schwaben die SachsenLB geschluckt, jetzt stehen sie bei der WestLB vor der Tür. Jaschinski will, so sagen Beobachter, einen nationalen Champion auf Augenhöhe mit der Deutschen Bank schaffen. „Ich glaube, dass es im Sparkassenlager durchaus Potenzial für ein solches Institut gibt“, so Jaschinski. Die Schwaben genießen bei ihren Vorstößen die Rückendeckung der hohen Politik und – in Maßen – der Spitzen des Sparkassenverbandes (siehe Bericht oben).

Verschiedene Modelle werden seit langem immer wieder diskutiert. Da ist von einer Nordschiene die Rede: WestLB, NordLB, HSH Nordbank und Landesbank Berlin könnten sich zusammenschließen. Im Süden stünde dem dann eine Großbank, gebildet aus LBBW, BayernLB, SaarLB und Helaba, gegenüber.

Doch dieses Modell scheint kaum realistisch. Kein Beobachter glaubt, dass sich im Süden die BayernLB unter die Führung der LBBW begeben könnte. Und wer sich von der Übernahme der Berliner LBB durch die Sparkassen eine Initialzündung erhoffte, wird bisher ebenfalls enttäuscht. „Es gibt keinerlei Pläne, die Landesbank Berlin mit anderen Landesbanken zusammenzuführen“, erklärte Haasis.

Realistischer scheint das Szenario der Unternehmensberatung McKinsey: einzelne Zusammenschlüsse, aber keine Mega-Bank. Zudem einige Spezialinstitute als Nischenspieler. Zusammenschlüsse hat es bereits gegeben. Stehen auf dem Papier noch die Namen von elf Landesbanken, sind es in Wahrheit nur noch acht. Die Landesbank Rheinland-Pfalz schlüpfte bei der LBBW unter. Die SaarLB gehört zu 75,1 Prozent der BayernLB, und 92,5 Prozent der BremerLB gehören bereits der NordLB. Die HSH Nordbank schließlich ist der Zusammenschluss aus Kieler Landesbank und der Landesbank Hamburg.

Doch je näher man einer Landesbank kommt, desto größer werden die Widerstände. Jüngstes Beispiel ist wiederum die WestLB. NRW-Regierungschef Jürgen Rüttgers will das Institut keineswegs so ohne weiteres an die LBBW abgeben. Er fürchtet um Arbeitsplätze, aber auch um Einfluss.

Der Einfluss der Politik war auch die Triebfeder für die Gründung der SachsenLB 1992. Der damalige Regierungschef Kurt Biedenkopf und sein damaliger Finanzminister und heutige Ministerpräsident Georg Milbradt wollten die Verbundgeschäfte mit den Sparkassen nicht einem westdeutschen Institut anvertrauen. So gründete man in Dresden die einzige ostdeutsche Landesbank. Zuletzt saßen in ihrem Aufsichtsrat drei Minister, drei Mitglieder des Landtags, drei Landräte sowie die Oberbürgermeister der Städte Dresden und Leipzig.

Das Problem: „Wer sich auf die internationalen Finanzmärkte wagt, muss auch Fachleute holen, die sich damit auskennen“, sagt Hans-Peter Burghof von der Uni Hohenheim. Die Verquickung von Politik und Wirtschaft hält Burghof nicht grundsätzlich für ein Problem, aber den Politikern in den Aufsichtsgremien müssten Fachleute zur Seite gestellt werden. Daniel Rhee-Piening

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