Klimaanlagen-Ausfälle : Bahnchef: "Es sind anscheinend Fehler gemacht worden"

Nach der Häufung von Klimaanlagen-Ausfällen in Fernzügen gibt Bahnchef Grube gibt Probleme zu. Auch am Samstag litten Reisende wieder unter einem Kühlungsausfall.

Reisende sollten derzeit immer genug Wasser im Gepäck haben.
Reisende sollten derzeit immer genug Wasser im Gepäck haben.Foto: dpa

"Die Staatsanwaltschaft und auch wir untersuchen diese Fälle derzeit ganz genau. Und die Wahrheit muss auf den Tisch“, sagte Grube dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. Er verwahre sich aber gegen Vorverurteilungen und eine pauschale Verunglimpfung des Zugpersonals.

Für Krisenfälle gebe es bei der Bahn genaue Handlungsanweisungen für das Zugpersonal. Dazu gehöre, den Wagen schnellstmöglich zum Stillstand zu bringen und zu versuchen, die Klimaanlage wieder in Gang zu kriegen. Falle sie total aus, müsse ein Ersatzzug organisiert werden. Das habe ein paar Mal nicht geklappt, räumte Grube ein und sagte zugleich schnelle technische Lösungen zu.

Weitere Ausfälle der Klimaanlagen in den betroffenen Zügen seien zwar nicht auszuschließen: „Wenn ich sagen würde, es fällt diesen Sommer nie wieder eine Klimaanlage aus, dann würde ich lügen. Aber ich kann Ihnen versichern, dass wir Tag und Nacht arbeiten werden, um die Probleme in den Griff zu kriegen.“ Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) kritisierte die Informationspolitik der Bahn scharf. „Das war Salamitaktik und kein Krisenmanagement“, sagte sie der „Bild am Sonntag“. „Erst waren angeblich nur zwei, drei Züge betroffen, dann Dutzende. Inzwischen ist klar, dass es sich um ein generelles Problem handelt.“ Die Probleme mit den Klimaanlagen müsse die Bahn schnell in den Griff kriegen. Temperaturen von mehr als 32 Grad seien nicht ungewöhnlich.

Modernisierung von Klimaanlagen wird geprüft

Der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ sagte Grube, nicht nur die Fahrzeuge, auch das Netz und die elektronische Leit- und Sicherheitstechnik müssten an nun häufiger extreme Wetterlagen angepasst werden. Die Bahn wolle die Klimaanlagen ihrer ICE-Züge schneller modernisieren. „Bei der Generalüberholung der ICE-2-Flotte, die im November 2010 beginnt und über 100 Millionen Euro kostet, prüfen wir jetzt, ob wir auch die Klimaanlagen einbeziehen, was ursprünglich nicht vorgesehen war.“ Diese 44 Züge sind nach einer überholten Norm gefertigt und auf Temperaturen von maximal 32 Grad ausgelegt. 2004 wurde diese Norm auf 35 Grad erhöht, der jüngere ICE-Modelle der Bahn bereits entsprechen.

Die 300 neuen ICE-Züge, die demnächst bestellt werden, will Grube auf bis zu 45 Grad Außentemperatur einstellen.

Kritik übte Grube erneut an der Bahnindustrie. „Natürlich bin ich verärgert. Weil letztlich unsere Kunden und unsere Mitarbeiter die immer neu auftretenden Probleme bei den Zügen ausbaden müssen.“ Jede der bislang ausgelieferten Baureihen habe ihre Macken gehabt. Zur Frage, ob die Industrie mithaften müsse, sagte Grube dem „Spiegel“: „Darüber können wir reden, wenn wir die Probleme im Griff haben.“    Die Pannenserie bei Klimaanlagen der ICE-2-Baureihe wird am kommenden Dienstag bei einem Spitzentreffen in Berlin erörtert. Daran sollen außer Grube und Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) auch die Verkehrsexperten der Bundestagsfraktionen teilnehmen.

Ramsauer machte unterdessen den vor Jahren geplanten Börsengang für die Bahnmängel verantwortlich. „Der heutige Bahnvorstand um Rüdiger Grube löffelt die Suppe aus, die von der alten Unternehmensführung vor Jahren eingebrockt worden ist“, sagte Ramsauer dem Magazin „Focus“. Grube bestritt diesen Zusammenhang laut „FAS“ allerdings. „Unsere Recherchen bestätigen nicht, dass die jetzigen Probleme mit dem Sparkurs vor dem geplanten Börsengang in der Ära Mehdorn zusammenhängen.“

Bis zu 1000 Fahrgäste saßen zwei Stunden in der Hitze

Probleme mit Lüftung und Klimaanlage haben nach ersten Ermittlungen den Hitzestau in einem Regionalexpress der Bahn am Freitagabend verursacht. In zwei von acht Waggons des Zuges fiel nach Auskunft der Bundespolizei von Samstag die Kühlung aus. Zwischen 500 und 1000 Fahrgäste hatten rund zwei Stunden in und an der in Mühlheim-Dietesheim stehenden Doppelstock-Bahn ausgeharrt. Rettungskräfte versorgten sie mit kalten Getränken. Verletzt wurde niemand. Der Regionalzug musste stoppen, nachdem er eine Frau auf den Schienen erfasst hatte. Die Polizei geht von einer Selbsttötung aus.

Die Bundespolizei sieht wegen des Hitzestaus derzeit keinen Grund zu Ermittlungen gegen die Bahn. „Die bloße Tatsache, dass es zu technischen Problemen kommt, ist kein Anlass für Ermittlungen“, sagte ein Polizeisprecher. Darüber hinaus gebe es „keinen Ansatz zu Kritik am Verhalten der Bahn und der Bahnmitarbeiter“. Sie hätten sofort und richtig reagiert; die Fahrgäste seien ausreichend versorgt worden.

Einen angebotenen Umstieg auf Taxis lehnten die Reisenden laut Bundespolizei ab. Stattdessen hätten alle nach zweistündiger Unterbrechung die Zugfahrt in Richtung Hanau fortgesetzt.
Auf der Regionalexpress-Strecke zwischen Frankfurt und Fulda verkehren nach Angaben der Bahn Waggons mit und ohne Klimaanlage. Die Züge würden je nach Verfügbarkeit zusammengestellt, so ein Bahn- Sprecher. Wie viele klimatisierte Waggons dieser Zug hatte, wusste er zunächst nicht. (dpa)

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