Wirtschaft : Klimakatastrophe "El Niño" läßt Rohstoffpreise kräftig steigen

Besonders Kaffee- und Kakaoernten sind von Dürren und Überschwemmungen betroffen

LONDON (AFP).Vertrocknete Bohnenfelder in Indonesien, steigende Kaffeepreise, verunsicherte Kakao-, Kautschuk- oder Rohrzuckerhändler - das ist Experten zufolge erst der Anfang der Turbulenzen, die das Klimaphänomen "El Niño" an den Rohstoffmärkten weltweit auslösen könnte."El Niño" richtete bereits jetzt in Südostasien schweren Schaden an.In Indonesien und Papua-Neuguinea gingen schon die Nahrungsmittel aus.Die extreme Dürre begünstigt die Brände, in denen die Region erstickt.Die besonders betroffenen Länder Indonesien, Malaysia und Thailand produzieren zusammen drei Viertel des weltweiten Kautschuk- und Palmölbedarfs sowie große Mengen Kakao und Kaffee.Experten befürchten, daß die diesjährigen Erträge weiter dezimiert werden.Ein ähnliches Schicksal erlitt zuvor schon die indonesische Kaffee-Ernte.Als bekannt wurde, daß "El Niño" einen Teil der Pflanzen vernichtet hatte, zogen die Preise für "Robusta"-Bohnen an der Londoner Börse kräftig an.In diesem Jahr könne höchstens mit einer Ernte von 6 Mill.Säcken dieser Kaffeebohnen gerechnet werden, erklärt das Forschungszentrum Landell Mills.1996 waren es noch 7,5 Mill.Säcke. Rohstoffhändler fürchten, daß es anderen Produkten ebenso ergehen könnte.An der Rotterdamer Börse schnellten die Palmölpreise seit Mitte September um zehn Prozent in die Höhe.Schätzungen zufolge wird die Kakaoernte Indonesiens, des drittgrößten Produzenten der Erde, etwa vier Prozent geringer ausfallen als üblich.Angesichts von Produktionsengpässen und der großen internationalen Nachfrage nach Rohstoffen kann ein solcher Rückgang auf den Märkten schwerwiegende Folgen haben, warnt Landell Mills.Diesmal dürften die alle zwei bis sieben Jahre auftretenden Klimaschwankungen besonders stark ausfallen.Es könnte so schlimm werden wie in den Jahren 1982 und 1983, als Überschwemmungen zum "Niño des Jahrhunderts" erklärt wurden, meint der britische Klimaforscher Michael Davey.Weil die extremen Dürren oder auch Unwetter die Erde oft um die Weihnachtszeit heimsuchen, bekam das Klimaphänomen seinen Namen nach dem spanischen Ausdruck für Christkind: "El Niño". Auch nächstes Jahr wird das Klimaphänomen den Rohstoffmärkten keine Ruhe lassen, meint Klimaforscher Davey.Dann könnte den größten Kakaoproduzenten der Erde, die Elfenbeinküste, eine schwere Dürre heimsuchen.Das hätte sofort Auswirkungen auf die Schokoladenpreise.Denn mit Kakao aus der Elfenbeinküste wird ein Drittel aller Schokolade weltweit hergestellt.So könnte das Christuskind "El Niño" mit den Klimakatastrophen wohl auch teurere Weihnachtsmänner bringen.

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