Klimakiller Auto : Neue Kfz-Steuer soll Verkauf ankurbeln

Hohe Spritpreise drücken auf den Benzinmarkt und die Verkaufszahlen. Ob Verbraucher und Umwelt von der neuen Steuer profitieren werden, bleibt offen.

Klimakiller Auto
Auf unseren Straßen wird es nicht weniger qualmen. -Foto: ddp

BerlinDie deutschen Autohersteller haben im Mai in Europa unter den hohen Sprittpreisen gelitten und weniger Autos verkauft. Besonders stark brach die Zahl der Neuzulassungen mit minus 13,2 Prozent bei Daimler ein, wie der europäische Herstellerverband ACEA mitteilte. Volkswagen verbuchte ein Minus von 8,1 Prozent, BMW einen Rückgang um 4,4 Prozent. Ein Absatzplus erzielten im Mai lediglich die japanischen Autobauer Nissan und Mazda. BMW baute als einziger deutscher Hersteller seinen Marktanteil aus.

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) dringt auf eine schnelle Regelung. „Wer ein neues Auto kaufen will, braucht Klarheit“, sagte Gabriel der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung. Deshalb dürfe sich die Koalition mit der Regelung der Eckpunkte nicht mehr viel Zeit lassen. Spritfresser würden nach einer Modellrechnung des Umweltministeriums deutlich stärker belastet, während kleine und mittelgroße Autos von der Reform profitierten.

Kleine Autos müssen deutlichen Vorteil aufweisen

Die Umstellung der Steuerbemessung vom Hubraum auf den CO2-Ausstoß soll den Kauf schadstoffarmer Fahrzeuge fördern und dem Klimaschutz dienen. Altfahrzeuge sollen nicht stärker belastet werden. Wer einen VW Polo Diesel mit 1422 Kubikzentimeter Hubraum und 99 Gramm Kohlendioxid (CO2)-Ausstoß fährt, könnte 83 Euro Kfz-Steuer im Jahr sparen, schrieb die Zeitung. Der Fahrer eines VW Passat Diesel mit 1896 Kubikzentimeter Hubraum und 136 Gramm CO2-Ausstoß könnte nur mit einer Ersparnis von 36 Euro im Jahr rechnen. Wer einen Daimler Chrysler R280 Sportvan mit 2996 Kubikzentimeter Hubraum und 265 Gramm CO2-Ausstoß fährt, müsste 130 Euro mehr Kfz-Steuer zahlen.

Mercedes beginnt in diesen Tagen mit dem Verkauf der Spritsparmodelle in der C-Klasse. Beim 115 kW/156 PS starken Benziner ist der Verbrauch im Vergleich zum konventionellen Modell um 0,9 Liter geringer und liegt bei 6,5 Liter. Das entspricht einem CO2-Ausstoß von 156 Gramm pro Kilometer (g/km). Für den Diesel nennt Mercedes einen Verbrauch von 5,1 Litern  und einen CO2-Ausstoß von 135 g/km, was einer Verminderung um 10,5 Prozent entspreche. 

Die Bundesregierung folgt dem Bundesverband der Automobindustrie

Bisher waren sich Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsministerium über die konkrete Umsetzung der Reform noch nicht einig. Zwischen den Ressorts werden schwierige Verhandlungen erwartet. „Die Einnahmeausfälle für den Finanzminister müssen dabei berechenbar und finanzierbar bleiben“, sagte Gabriel. Die Steuer fließt künftig allein dem Bund zu. Die Länder erhalten einen Ausgleich von knapp neun Milliarden Euro. Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) sprach von einem „Reförmchen“. Die Bundesregierung folge viel zu stark den Vorstellungen des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), der eigentlich keine höhere Belastung oder keine nennenswert höhere Belastung für Spritschlucker wolle, sagte VCD-Verkehrsexperte Gerd Lottsiepen dem WDR.

Eine Spitzenrunde von Union und SPD unter Leitung von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte sich in der Nacht zum Donnerstag grundsätzlich auf die Reform der Kraftfahrzeugsteuer geeinigt, die nun erst 2010 kommen soll. (ml/dpa)

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