Wirtschaft : Klimaschutz braucht mehr Technik

Experten: Keine Möglichkeit verteufeln

Bernd Hops

Berlin - Der Verkehr, einer der großen Verursacher von Kohlendioxid-Emissionen, muss weltweit deutlich effizienter werden, um noch schlimmere Auswirkungen des Klimawandels zu verhindern. Dabei sei man auf alle zur Verfügung stehenden Techniken angewiesen, waren sich die Experten auf einem Klimagespräch des Energiekonzerns BP am Donnerstag in Berlin einig. Hugh Mortimer, Gesandter der Britischen Botschaft, kündigte an, dass die britische Regierung auf der kommenden internationalen Klimakonferenz in Montreal auf weitere Anstrengungen zum Klimaschutz drängen werde. Dabei kann Großbritannien mit der Unterstützung der Bundesregierung rechnen. Ralf Nagel, Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, betonte jedoch: „Es darf nicht sein, dass andere die ökonomischen Vorteile der Nachlässigkeit in Anspruch nehmen und wir das Nachsehen haben.“

Vor allem in den USA, dem größten Produzenten des Treibhausgases CO2, sei die Effizienz im Verkehr relativ gering, hat zum Beispiel das „World Business Council on Sustainable Development“ festgestellt. Hier biete sich ein großes Einsparpotenzial. In China gehe es darum, bei der verstärkten Motorisierung die Fehler, die bisher in den Industriestaaten gemacht wurden, zu vermeiden. Die Vorreiterrolle habe Europa.

Uwe Franke, Chef der Deutsche BP AG, wies darauf hin, dass bis zum Jahr 2050 mit einer Verdreifachung des weltweiten Autoparks zu rechnen sei. Statt heute 700 Millionen Fahrzeugen würden dann zwei Milliarden CO2 ausstoßen. Um die CO2-Konzentration in der Atmosphäre aber auf einem noch erträglichen und aus heutiger Sicht auch realistisch erreichbaren Niveau zu halten, müsste die jährliche Fahrleistung der Autos im Schnitt halbiert oder die Reichweite mit einem Liter Treibstoff verdoppelt werden. Als langfristiges Ziel müsse die mit Wasserstoff betriebene Brennstoffzelle stehen, sagte BP-Chef Franke.

Doch bis dahin ist es noch ein schwieriger Weg, und es gibt auch sehr gegensätzliche Interessen. So existieren synthetische oder Bio-Treibstoffe, die den herkömmlichen aus Erdöl beigemischt werden können. Als sehr viel versprechend wird auch die Verflüssigung von Biomasse angesehen. Der daraus gewonnene Treibstoff verursacht deutlich geringere CO2-Emissionen als Benzin oder Diesel. Hinter allen Alternativen stecken aber unterschiedliche Interessengruppen. „Man darf keine Technik verteufeln“, sagte deshalb Reinhold Kopp, Generalbevollmächtigter der Volkswagen AG. So sei die Diskussion über schmutzige Diesel für den Klimaschutz ein Rückschlag gewesen.

Dieselmotoren sind deutlich effizienter als Benziner. Nach Branchenschätzungen wären die CO2-Emissionen durch Autos 18 Prozent niedriger, wenn der Fuhrpark komplett auf Diesel umgestellt wäre.

Kopp forderte außerdem, die Verbraucher nicht durch immer neue Forderungen und Standards, die Autos verteuerten, zu belasten. Durchschnittlich seien die Fahrzeuge, die sich heute auf Deutschlands Straßen bewegen, neun Jahre alt. Schon wenn sie durch Autos auf dem Stand der aktuellen Technik ersetzt würden, könne viel CO2 eingespart werden. Dagegen sei die Hybridtechnik, die jetzt verstärkt gefördert werde, verhältnismäßig teuer und werde deshalb auf absehbare Zeit kaum einen Beitrag zum Klimaschutz liefern können.

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