Klimaschutz : China und die Energie

In Berlin diskutieren Experten über das Dilemma der Volksrepublik: Wie ist Wachstum mit dem Klimaschutz zu vereinbaren?

Christoph Giesen

Berlin - Der Himmel über Peking war klar im vergangenen November, keine Smogwolken hingen – anders als sonst – über der chinesischen Hauptstadt. Chinas Führung hatte zum Afrika-Gipfel geladen und angeordnet, alle Fabriken im Großraum Peking abzuschalten. Die Luft sollte sauber sein, wenn sich Historisches ereignet, denn 42 afrikanische Staats- und Regierungschefs waren nach China gereist. Präsident Hu Jintao sprach ehrfürchtig vom größten Ereignis auf chinesischem Boden seit Maos Machtübernahme 1949.

„Die chinesische Afrikapolitik ist sehr erfolgreich“, sagte Eberhard Sandschneider, Chinaexperte der FU-Berlin, am Donnerstag auf einer Podiumsdiskussion der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik, bei der Experten über die Energieversorgung Chinas diskutierten. Seit Jahren ist die Volksrepublik in Afrika aktiv und sichert sich die Rohstoffvorkommen. Vielen afrikanischen Diktaturen kommt die chinesische Außenpolitik entgegen. Die Pekinger Regierung kümmert sich nicht um Menschenrechtsverletzungen oder Korruption. Dem in der EU geächteten Simbabwer Despoten Robert Mugabe wurde 2005 die Ehrendoktorwürde der Pekinger Foreign Affairs University verliehen. In schöner Regelmäßigkeit legt die Volksrepublik im UN-Sicherheitsrat ihr Veto gegen Sanktionen im Sudan ein. Die Machthaber in Al-Khartum danken und lassen China im Gegenzug für vier Milliarden US-Dollar in den Ausbau von Pipelines und Häfen zur Ölförderung investieren.

Doch trotz Importen aus Afrika hat China sein Energieproblem noch nicht gelöst. China ist der zweitgrößte Energieverbraucher weltweit und dürfte recht bald die USA als Nummer eins ablösen. Im Hochsommer, wenn überall die Klimaanlagen surren, müssen Fabriken wegen Energiemangels zeitweise abgeschaltet werden. „Der Schlüssel liegt in der Energieeffizienz“, sagte Felicitas Kraus von der Deutschen Energieagentur. Bis 2020 werde sich Chinas Wohnfläche verdoppeln. Gefragt seien daher Technologien, die energiesparend arbeiten. „Stahl- und Zementwerke müssen viel effektiver produzieren“, forderte Kraus.

Auch die chinesische Regierung hat längst mitbekommen, dass sie Energie einsparen muss und nicht bloß in Afrika wildern kann. „Wir werden bis 2010 den Energieaufwand pro BIP-Einheit um 20 Prozent reduzieren“, kündigte Regierungschef Wen Jiabao 2006 an. Sollte dies gelingen, könnte China im Jahr 2010 nach Schätzungen von Experten 1,6 Milliarden Tonnen weniger CO2 in die Atmosphäre blasen. Das entspricht in etwa dem doppelten CO2-Jahresausstoß Deutschlands.

Weiteres Einsparpotential sieht Klaus Schneiders, Geschäftsführer der Uhde GmbH, einer Thyssen-Krupp-Tochter beim Bau moderner Kraftwerke. „China sollte in Zukunft verstärkt auf Clean- Coal setzen.“ Bei dieser Technologie wird durch Vergasung von Kohle Methanol gewonnen, das sich dann in Treibstoff umwandeln lässt. Genug Kohle dafür hat die Volksrepublik: In der nordchinesischen Provinz Shanxi schlummern mehr als 40 Prozent der weltweiten Steinkohlevorkommen. Christoph Giesen

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