Klimaschutz : Deutschland ist Vorbild bei erneuerbarer Energie

Die Energieagentur fordert weltweit mehr Engagement in Sachen Klimaschutz. Die deutsche Industrie spielt dabei eine Führungsrolle.

Düsseldorf - Wenn die Kohlendioxidemissionen bis 2050 halbiert werden sollen, müssen 50 Prozent des Stroms weltweit aus erneuerbaren Energiequellen erzeugt werden. Zu diesem Schluss kommt die Internationale Energieagentur (IEA) in einer am Montag vorgelegten Studie. Nach Einschätzung der IEA müssen die Regierungen weltweit deutlich mehr tun, um die Erneuerbaren voranzubringen. Erst wenige Länder hätten die Weichen richtig gestellt. Deutschland spielt dabei laut IEA eine Führungsrolle. Hierzulande beläuft sich der Anteil des Ökostroms mittlerweile auf mehr als 14 Prozent.

In ihrer Studie zeigt die IEA „signifikante Hürden“ für den Ausbau der Ökostromkapazitäten auf. So sei es in vielen Ländern noch immer schwierig, Ökostrom ins Netz einzuspeisen. Vielerorts seien zudem die administrativen Hürden für den Bau von Anlagen viel zu hoch. Grundsätzlich hält die IEA sowohl feste Einspeisevergütungen für Ökostrom als auch ein Quotensystem für geeignete Instrumente. Entscheidend für den Erfolg sei die langfristige Kalkulierbarkeit der Maßnahmen.

Ein Bekenntnis zum Klimaschutz legten am Montag exponierte Vertreter der deutschen Industrie ab. „Richtig betriebener Klimaschutz behindert Wachstum, Beschäftigung und Innovation nicht, sondern sollte für jedermann Vorteile bringen“, sagte Siemens-Chef Peter Löscher auf einer BDI-Veranstaltung in Berlin. Die deutsche Wirtschaft sei „Teil der Lösung und nicht Teil des Problems“. Die heimischen Unternehmen hätte zahlreiche Produkte und Leistungen im Angebot, um die Kohlendioxidemissionen wirksam zu senken. „Wir sind hier technisch in einer Vorreiterrolle“, sagte Löscher bei einer Veranstaltung der Initiative „Wirtschaft für Klimaschutz“, der er vorsteht. Die Initiative wurde vor anderthalb Jahren gegründet und finanzierte seitdem ein McKinsey-Gutachten über die Kosten und Potenziale der Vermeidung von Treibhausgasemissionen.

Über die Kosten der erneuerbaren Energien hat nun die TU Berlin eine Studie vorgelegt. Danach verursacht die Stromerzeugung aus Wind, Wasser, Sonne oder Biomasse milliardenschwere indirekte Kosten, die von allen Stromverbrauchern zu tragen sind. Im Jahr 2006 beliefen sich diese indirekten Kosten auf 445 Millionen Euro, im Jahr 2020 dürften es mindestens 3,3 Milliarden Euro sein, heißt es in der Studie, die dem „Handelsblatt“ vorliegt.

Die Kosten müssen zu den Milliardenbeträgen addiert werden, die ohnehin durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) entstehen. Das EEG garantiert allen Produzenten von Ökostrom feste Vergütungssätze, die teils deutlich über den Marktpreisen für konventionell erzeugte Energie liegen. Erst durch diesen Anreiz werden Windräder oder Fotovoltaikanlagen wirtschaftlich attraktiv. Das EEG hat dazu geführt, dass der Anteil der Erneuerbaren am gesamten Stromverbrauch in Deutschland seit Jahren mit hoher Geschwindigkeit steigt. Die Differenz zwischen EEG-Vergütung und Marktpreis wird auf alle Stromverbraucher umgelegt. Nach Angaben des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) beläuft sich die EEG-Umlage in diesem Jahr auf knapp fünf Milliarden Euro. alf/teb/str (HB)

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