Klimaschutz : Einigkeit im Autoland

Die IG Metall steht in Sachen CO2 hinter der Industrie. Auf der IAA signalisierte die Gewerkschaft Rückendeckung für die Autobranche.

Frankfurt am Main - Es war eine Premiere. Und bei solchen Anlässen bleiben Kritik und Misstöne in der Regel außen vor. So war es auch am Dienstag auf der Internationalen Automobilausstellung. Auf Einladung der IG Metall und des Branchenverbandes VDA diskutierten Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee, Autoverbands-Präsident Matthias Wissmann, IG-Metall-Chef Jürgen Peters, mächtige Autobosse und einflussreiche Betriebsratsvorsitzende über den Autostandort. Einig war man sich darin, dass die Vorgaben der EU für den CO2-Ausstoß nach Fahrzeugklassen gestaffelt werden müssen, dass eine CO2-basierte Kfz-Steuer schnell kommen muss, und dass die deutschen Hersteller bei der Entwicklung von künftigen Antriebskonzepten wie Brennstoffzelle und Hybrid die führende Rolle übernehmen müssen.

Dafür fehlen in Deutschland allerdings Ingenieure, klagte Carl-Peter Forster, Präsident von General Motors Europa. Dies war denn auch das einzige Thema, bei dem sich die Diskussionsteilnehmer in die Haare gerieten. Erich Klemm, Gesamtbetriebsratschef bei Daimler-Chrysler sieht die Ursache für den Fachkräftemangel auch bei den Konzernen. „Beim Personalabbau haben die Firmen vor Ingenieuren und Facharbeitern nicht haltgemacht. Ein Jahr nach dem Rausschmiss hat man auf einmal gemerkt, dass sie fehlen“, sagte Klemm. Ingenieure aus dem Ausland müssten helfen, damit die deutschen Hersteller etwa bei der wichtigen Frage der Batterie-Entwicklung vorankämen, sagte VDA-Präsident Wissmann. Der Zuzug müsse erleichtert werden.

Mit Blick auf die CO2-Vorgaben der EU – 120 Gramm pro Kilometer bis 2012 – bekräftigte Wissmann die VDA-Forderung, diese nur nach Fahrzeugklassen differenzierten Regelungen umzusetzen. „Eine Rasenmähermethode hilft nicht.“ 50 Prozent der exportierten Autos seien Premiumfahrzeuge, bei denen es Probleme gebe, die Grenzwerte einzuhalten. BMW- Gesamtbetriebsratschef Manfred Schoch sieht gar die Hälfte aller Arbeitsplätze in der Autoindustrie in Gefahr, wenn die 120-Gramm-Marke unflexibel umgesetzt werde. „Wir brauchen Regeln, die alle einhalten können“, sagte IG-Metall-Chef Peters und verwies ebenfalls auf den drohenden Verlust von Arbeitsplätzen.

Die CO2-basierte Kfz-Steuer kann nach den Worten von Verkehrsminister Tiefensee frühestens am 1. Januar 2009 eingeführt werden. Ein früherer Termin sei wegen der „komplizierten Abstimmungsprozesse“ mit den Bundesländern kaum zu schaffen. VW-Chef Martin Winterkorn drängte mit Blick auf den schleppenden Absatz in Deutschland zur Eile. „Wir werden im Inland in diesem Jahr 200 000 Autos weniger verkaufen, auch deshalb, weil die Menschen nicht wissen, was auf sie zukommt“, sagte er. ro

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben