Klimaschutz : Ohne Klimaabkommen wird Energie teurer

Energieagentur: Bis 2030 verdoppeln sich die Kosten, weil fossile Rohstoffe knapp werden. Am Ende zahlen Unternehmen und Regierungen – also die Steuerzahler – viel mehr Geld, wenn sie nicht in den Klimaschutz investieren. Dieses Argument führen Greenpeace und Co. seit Jahren an.

Kevin P. Hoffmann
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Berlin Jetzt, vier Wochen vor Beginn des UN-Klimagipfel in Kopenhagen, untermauert die Internationale Energieagentur IEA diese These – eine Organisation, die bisher nicht als besonders ökologisch orientiert aufgefallen ist. Die IEA wurde 1973 von 16 Industrienationen als Reaktion auf den Ölpreisschock gegründet, um fundierte Antworten auf Fragen der Energiepolitik zu liefern.

Die Agentur mit Sitz in Paris berät heute 28 OECD-Staaten, jährlich legt sie ihre Weltprognose vor. IEA-Chef Nobuo Tanaka hat am Dienstag in London das aktuelle 700-Seiten-Werk präsentiert: „Der Bericht mahnt zur Vorsicht und bietet Grund zum Optimismus zugleich“, sagte er. „Vorsicht, weil ein Festhalten an den aktuellen Trends der Energiepolitik dazu führen dürfte, dass die globale Temperatur um sechs Grad steigt und die Energiesicherheit der Welt ernsthaft infrage gestellt wird. Optimismus, weil es kostengünstige Lösungen gibt, um einen grundlegenden Klimawandel noch zu vermeiden und gleichzeitig die Sicherheit unserer Energieversorgung zu verbessern“, erklärte der IEA-Chef.

Wegen der Rezession dürfte der Energiebedarf in diesem Jahr zwar um zwei Prozent zurückgehen. Sobald die Krise aber überstanden ist und Unternehmen wieder mehr produzieren, steige der Bedarf stark an, so eine Kernaussage der IEA. Sollten die Regierungen ihre bisherige Energiepolitik dabei nicht ändern, sei allein in den kommenden fünf Jahren mit einem Anstieg des Bedarfs um 2,5 Prozent pro Jahr zu rechnen. Das würde auch dazu führen, dass fossile Rohstoffe wie Öl und Kohle immer schneller ausgebeutet würden. Dieser Mangel treibt die Preise hoch. Schon im Jahr 2030 dürften sich die Kosten für energiehaltige Rohstoffe gegenüber dem heutigen Stand im Schnitt verdoppelt haben – in der EU auf dann 500 Milliarden Dollar.

2030 dürfte auch die Ölfördermenge ihren Höchststand erreicht haben. Ein Barrel (159 Liter) dürfte dann rund 190 Dollar kosten, rechnete IEA-Chefvolkswirt Fathi Birol vor. Aktuell kostet ein Barrel knapp unter 80 Dollar. Als der Ölpreis im Sommer 2008 sein bisheriges Rekordhoch bei 147 Dollar erreicht hatte, stand die Energiewelt schon einmal Kopf: Energiekonzerne fingen gierig an, in der Tiefsee neue Felder zu suchen, deutsche Autofahrer stöhnten über Benzinpreise über 1,60 Euro je Liter Super. Auch die Kosten für Heizöl und Gas trieben die Verbraucherpreise hoch.

In ihrem Bericht skizziert die IEA, dass der Energiehunger also nicht nur ein ökologisches Problem ist – wegen der stärkeren Freisetzung des klimaschädlichen Kohlendioxids –, sondern auch ein ökonomisches Problem. Die Lösung: Investitionen in erneuerbare Energien und Atomkraft. Privathaushalte und Unternehmen müssen ihren Verbrauch bis 2030 halbieren. Dann könne ein wichtiges Klimaziel erreicht werden. Kevin P. Hoffmann

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