Klimaschutz : Schlachtpläne für den Kohleausstieg

In Paris beraten Klimaschützer, wie sie die Investitionspläne der Energiewirtschaft untergraben können. Ihr Ziel ist es so den CO2-Ausstoß zu senken.

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Der Energieträger Steinkohle trug 2014 noch 18 Prozent zur Stromerzeugung in Deutschland bei. Der Anteil aber fällt.
Der Energieträger Steinkohle trug 2014 noch 18 Prozent zur Stromerzeugung in Deutschland bei. Der Anteil aber fällt.Foto: imago/CHROMORANGE

Bill McKibben steht im dunklen Anzug und mit blauer Krawatte auf einer Bühne und behauptet: „Ich bin immer eher unhöflich.“ Bei einer Konferenz der Europäischen Grünen in Paris beschreibt er am Dienstag, wie „die mächtigste Industrie der Welt“, nämlich die Öl-, Gas- und Kohleindustrie, geschwächt werden müsse, „um die Überhitzung unseres Planeten zu verhindern“.

Der Umweltaktivist aus den USA hatte mit seiner Organisation „350.org“ vor drei Jahren eine Kampagne gestartet, um Universitäten, Kirchen, Städte, Stiftungen davon zu überzeugen, das Geld, das sie bisher in Ölkonzernen oder Kohleminen investiert haben, aus diesen Unternehmen abzuziehen, weil sie das Klima zerstören. Dafür hat 350.org das Wort „Divestment“ erfunden.

Zuletzt ist der norwegische Ölfonds aus der Kohle ausgestiegen

Dieser Begriff setzt sich mehr und mehr durch: Eine Billion Dollar sei der Industrie allein durch die Kampagne entzogen, rechnet McKibben in Paris vor. Ein Großteil der Summe gehe auf den Norwegischen Ölfonds zurück, der im Frühjahr entschieden hat, seine Investitionen in das fossile Energiesystem dramatisch zu verkleinern. Das sei ähnlich bemerkenswert wie die Entscheidung der Rockefeller-Familie, die Mittel ihres Rockefeller Brothers Funds aus den Nicht-Erneuerbaren-Energiegeschäften abzuziehen und stattdessen klimafreundlich zu investieren.

Nachdem die Bewegung an den amerikanischen Universitäten ihren Ausgang nahm, ist sie mittlerweile in vielen Ländern der Welt angekommen. McKibbens Erklärung: „In den USA tut der Staat nicht viel für Bildung. Die Universitäten brauchen große Vermögen, um überhaupt weiterzuexistieren.“ Und Studenten sind für die Idee, dieses Geld in eine lebenswerte Zukunft zu investieren, leicht zu begeistern. Das wird in Deutschland so nicht funktionieren, meint Reinhard Bütikofer, grüner Europaabgeordneter und einer der Mitveranstalter. „Die beste Übersetzung für Divestment im Deutschen ist: Raus aus der Kohle!“ Er habe noch keine Klimaschutzbewegung gesehen, „die so schnell gewachsen ist“.

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