Klimaskeptiker : Fritz Vahrenholts Feldzüge

06.02.2012 16:39 Uhrvon
RWE-Innogy-Chef Fritz Vahrenholt muss wegen des Erreichens der Altersgrenze in den Aufsichtsrat des Unternehmens wechseln. Am Montag stellte er in Berlin sein neues Buch "Die kalte Sonne" vor. Foto: dpa
RWE-Innogy-Chef Fritz Vahrenholt muss wegen des Erreichens der Altersgrenze in den Aufsichtsrat des Unternehmens wechseln. Am Montag stellte er in Berlin sein neues Buch "Die kalte... - Foto: dpa

Der Chef des RWE-Tochterunternehmens Innogy hält Kohlendioxid zwar für ein Klimagas. Aber er ist überzeugt: Wir haben genug Zeit für einen vernünftigen Umbau des Energiesystems. Es ist nicht seine erste Mission.

Auf 445 Seiten widerlegen Fritz Vahrenholt und Sebastian Lüning in ihrem Buch "Die kalte Sonne. Warum die Klimakatastrophe nicht stattfindet" den Weltklimarat (IPCC). Das zumindest ist der Anspruch des bei Hoffmann und Campe erschienenen Buches, das die beiden Autoren moderiert vom früheren Spiegel-Chefredakteur Stefan Aust am Montag in Berlin vorstellten. Stefan Aust, der nicht vergessen hat, dass ein Spiegel-Titel gegen die Windkraft vor ein paar Jahren ihm einige Kritik eingebracht hatte, sagte gleich zu Anfang, um was es geht: "Die Klimakatastrophe ist ein Glaubensbekenntnis aller Ökologen." Und dieser "feste Glaube" soll nun von zwei Wissenschaftlern erschüttert werden, die, wie Vahrenholt zugab, "keinen großen Klimarechner im Keller stehen haben".

Der gelernte Chemiker Vahrenholt, derzeit Chef der RWE-Tochterfirma Innogy, und Sebastian Lüning, gelernter Geologe, der für die Erdöltochter von RWE, Dea, in Nordafrika nach Ölquellen sucht, haben sich gemeinsam an der Beweisführung versucht, dass die Sonne einen viel größeren Einfluss auf das Klimageschehen habe, als bisher angenommen.

Vahrenholt und Lüning argumentieren, dass die langfristigen Zyklen der Sonnenaktivität in der Vergangenheit alle größeren Klimaverschiebungen verursacht hätten. Darüber gibt es auch unter den Klimaforschern des "Mainstreams", wie Vahrenholt verächtlich sagt, wenig Kontroversen. Diskutiert wird allenfalls, ob große Vulkanausbrüche im einen oder anderen Fall eine größere Wirkung hatten oder nicht. Umstritten ist allerdings Vahrenholts These, dass die globale Erwärmung seit 1998 zu einem "Stillstand gekommen" sei und die weiter abnehmende Sonnenaktivität dazu führe, dass "wir noch 20 oder 30 Jahre Zeit haben für den Umbau des Energiesystems". Denn tatsächlich waren 2005 und 2010 im Schnitt noch wärmer als 1998. Ob das für 2005 wirklich zutrifft, darüber wird gestritten, weil es auch Temperaturmessreihen gibt, die den stärkeren Temperaturanstieg in der Arktis nicht einberechnet haben. Vahrenholt dagegen behauptet, die mittelalterliche Warmzeit, in der Erik der Rote mit seinen Wikingern Grönland besiedelt habe, sowie die kleine Eiszeit, die etwa 1300 begann, seien in den IPCC-Berichten "wegmanipuliert" worden. Lüning wiederum hält den Einfluss kosmischer Strahlung auf das Klimageschehen noch für völlig unterschätzt. Vahrenholt und Lüning leugnen also nicht den Klimawandel und zweifeln auch nicht daran, dass Kohlendioxid (CO2) ein Treibhausgas mit Einfluss auf das Klima ist. Doch sie halten den Einfluss von CO2 auf das Klima für "weit überschätzt".

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