Klimawandel : Apple straft US-Handelskammer ab

Der Technologiekonzern Apple beschwert sich über die Lobbyarbeit der amerikanischen Handelskammer gegen Obamas Klimagesetz - und kündigt seine Mitgliedschaft. Andere Firmen könnten folgen.

Philip Faigle

Der Brief ist drei Absätze lang, der Ton ist barsch: Apple werde mit sofortiger Wirkung aus der amerikanischen Handelskammer austreten, heißt es in einem Schreiben des Unternehmens an den Präsidenten der Kammer, Thomas J. Donohue, das an diesem Dienstagmorgen öffentlich wurde. Apple protestiere damit gegen die Lobbyarbeit der Kammer, die darauf abziele, ein Klimagesetz in den USA zu verhindern. "Wir würden es vorziehen, wenn die Kammer eine progressivere Haltung einnehmen und eine konstruktivere Rolle spielen würde", heißt es in dem Brief.

Es ist nicht der erste Austritt, den Amerikas mächtigste Wirtschaftsvereinigung hinnehmen muss. Bereits im September hatten die Energiefirmen Exelon, PNM Resources und Pacific Gas & Electric aus Protest gegen die Klimapolitik der Kammer ihre Mitgliedschaft gekündigt. Kurz darauf trat auch der Sportartikelhersteller Nike aus. Wie Apple begründeten die Firmen ihren Austritt mit dem Hardliner-Kurs der Organisation in der Debatte um das amerikanische Klimagesetz.

Die Kammer spielt seit Monaten in der nationalen Klimadebatte eine seltsame Rolle. Offiziell wirbt sie auf ihrer Homepage damit, an einer "umfassenden gesetzlichen Regelung" zur Begrenzung des Klimawandels interessiert zu sein. Zugleich aber unternimmt sie große Anstrengungen, das laufende Gesetzgebungsverfahren zu behindern. "Keine Organisation in diesem Land hat mehr dafür getan, ein Klimagesetz zu untergraben", befand die New York Times Ende vergangener Woche.

Erst vor wenigen Tagen startete die Kammer einen Angriff auf die Umweltschutzbehörde EPA. Diese schickt sich an, Regeln zur Begrenzung des Treibhausgases Kohlendioxid auszuarbeiten. In einem 21-seitigen Schreiben forderte die Handelskammer die Behörde auf, die wissenschaftlichen Ergebnisse zum Klimawandel erneut öffentlich zur Debatte zu stellen. So könne die Nation ja sehen, ob die Argumente der Klimaforscher dem Kreuzfeuer der Kritiker standhielten.

Apple nimmt den Vorfall nun zum Anlass, die Mitgliedschaft in der Organisation zu kündigen. In dem Schreiben an die Kammer heißt es, das Unternehmen protestiere "deutlich gegen die jüngsten Äußerungen der Kammer, die sich gegen die Anstrengungen der EPA richten, die Treibhausgase zu reduzieren". Apple unterstütze die EPA-Pläne. Es sei "frustrierend", die Wirtschaftsvertreter nicht an der eigenen Seite zu finden.

Dass Apple gerade jetzt medienwirksam aus der Handelskammer ausschert, dürfte indes noch andere Gründe haben. Konzern-Chef Steve Jobs versucht derzeit, dem Unternehmen ein grünes Image zu verpassen. Künftig will Apple energiesparende Modelle auf den Markt werfen. Im vergangenen Monat veröffentlichte das Unternehmen erstmals den eigenen CO-Fußabdruck. Der Austritt aus der Handelskammer passt in das neue Marketing-Konzept.

Dennoch ist der Austritt Apples auch ein Signal, dem weitere Unternehmen im Silicon Valley folgen könnten. Schon jetzt wächst die Koalition der Unternehmen, die sich in der United States Climate Action Partnership engagieren, einer Organisation, die bereits im Frühjahr Vorschläge gemacht hat, wie die Treibhausgase reduziert werden können. Mit rund 30 Firmen ist deren Mitgliederzahl jedoch noch immer vergleichsweise klein. Die amerikanische Handelskammer zählt derzeit drei Millionen Mitglieder.

Quelle: ZEIT ONLINE

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben