Wirtschaft : Klimawandel auf Knopfdruck

Umweltverbände kritisieren die Autoindustrie

Kaltluft. Viele Autofahrer wissen nicht, womit sie kühlen. Foto: p-a/gms
Kaltluft. Viele Autofahrer wissen nicht, womit sie kühlen. Foto: p-a/gmsFoto: picture-alliance/ gms

Berlin - Rund 33 Millionen Autos in Deutschland haben eine Klimaanlage. Weltweit könnten es in vier Jahren rund eine Milliarde Fahrzeuge sein, schätzt der Weltklimarat der Vereinten Nationen. Was die Autoindustrie freut, ist für Umweltverbände ein Warnsignal: Die Anlagen werden mit extrem klimaschädlichen Kältemitteln betrieben und sie führen in Benutzung zu einem deutlich höheren Spritverbrauch. Mit einer Informationskampagne wollen Deutsche Umwelthilfe (DUH) und Verkehrsclub Deutschland (VCD) auf diese Umstände aufmerksam machen – und Tipps zum schonenden Gebrauch der Anlagen geben.

„Viele Autofahrer nutzen ihre Klimaanlage, ohne darüber nachzudenken. Dabei tragen sie erheblich zur Klimabelastung bei“, sagte Eva Lauer, Projektleiterin der Pro-Klima-Kampagne der DUH. Die wenigsten Autofahrer dürften wissen, dass sie das Kühlmittel R134a im Auto mitführen. Die Chemikalie heize die Atmosphäre 1430 Mal stärker auf als die gleiche Menge Kohlendioxid (CO2), teilte die DUH mit. „Die deutsche Autoindustrie könnte mit dem Einsatz von CO2 als natürliches Kältemittel dieser misslichen Entwicklung entgegentreten“, sagte DUH- Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch. „Die Industrie macht jedoch die Rolle rückwärts und plant die gefährliche Chemikalie 1234yf einzusetzen.“

Der Hintergrund: Nach einer EU- Richtlinie dürfen seit Januar 2011 die Klimaanlagen neuer Fahrzeugtypen und ab Januar 2017 die Anlagen aller neu zugelassenen Fahrzeuge nur noch Kältemittel enthalten, die schärferen Klimanormen entsprechen. Die Autoindustrie hat sich entschieden, R134a nicht durch CO2, sondern durch das Kältemittel R-1234yf zu ersetzen. Dieses sei – bei einem besseren „Klimafaktor“ – genauso sicher im Einsatz wie das bisherige Mittel, weltweit akzeptiert und könne in bewährten Anlagen verwendet werden. Resch greift die Hersteller hingegen an: Sie machten sich „zum Handlanger der Chemieindustrie und die Autofahrer zu Versuchsobjekten“. Scharf kritisiert die DUH auch, dass die Herstellerangaben zum Verbrauch eines Autos den Mehrverbrauch durch Klimaanlagen nicht berücksichtigen.

Informationen der Umweltverbände finden Verbraucher im Internet unter www.autoklimaanlage.info. mot

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