Wirtschaft : Klimawandel bei den Unternehmen

Investoren drängen die Firmen zur Öko-Transparenz

Rolf Obertreis

Frankfurt am Main - Der weltweite Klimawandel wirkt sich auch auf die Kapitalmärkte aus. Für Fondsmanager, Investoren und Vermögensverwalter wird das Thema immer wichtiger – und vor allem rentabler. Aktien von Firmen, die sich auf eine nachhaltige Entwicklung konzentrieren oder direkt im Klimaschutz engagiert sind, wie Solar- oder Windkraft-Unternehmen bringen zum Teil mehr Rendite als andere Papiere.

Vor vier Jahren haben sich rund 220 Großinvestoren im „Carbon Disclosure Project“ (CDP) zusammengetan. Sie verwalten ein Vermögen von mehr als 31 Billionen Dollar. Dahinter stehen unter anderem die Konzerne Allianz, Deka Bank, Deutsche Bank, Goldman Sachs, Merrill Lynch oder UBS, aber auch die Pensionskasse der Stadt New York und etliche andere Pensionsfonds aus diversen Ländern. Regelmäßig lassen sie weltweit 2 100 Firmen zu ihren Klimaschutz-Aktivitäten befragen.

Bei den deutschen Unternehmen hält sich die Auskunftsfreude über die Einschätzung der Klimarisiken und die eigenen Aktivitäten zur Reduzierung der Kohlendioxid-Emissionen (CO2) aber in Grenzen. Nur 64 von 200 befragten börsennotierten Unternehmen antworteten, der große Rest schickte die Fragebögen nicht zurück oder verweigerte die Auskunft. Dies zeigt die erstmals auch für Deutschland vorliegende Analyse des CDP.

Zu den Verweigerern gehören mit Altana, Continental, Fresenius Medical Care und Hypo Real Estate auch vier der 30 Unternehmen aus dem Deutschen Aktienindex (Dax). Aber auch der Berliner Pharmakonzern Schering, Axel Springer, die Landesbank Berlin (früher: Bankgesellschaft), Hugo Boss, Karstadt-Quelle oder Porsche hielten das Thema Klimawandel offenbar nicht für relevant und lehnten ihre Teilnahme ab.

Dabei sind die Auswirkungen der CO2-Emissionen evident. „Es ist unübersehbar, dass sich der Klimawandel auf die Weltwirtschaft und somit auch auf die Kapitalmärkte und letztlich auf das Vermögen der Anleger auswirken wird“, sagt Markus Rieß, Chef des Bundesverbandes der deutschen Fondsgesellschaften (BVI). Durch nachhaltige Investments und den Kauf der jeweiligen Aktien könnten die Fondsmanager bewirken, dass Emissionen in akzeptablen Grenzen gehalten würden. Immerhin die Hälfte der 64 Unternehmen, die offenbar die Bedeutung des Klimawandels erkannt haben, sehen Risiken, aber auch Chancen für ihr Geschäft. Der Klimawandel könne die Infrastruktur schädigen und damit Geschäftsabläufe erschweren, er habe Einfluss auf die Konsumgewohnheiten und könne rechtliche Folgen haben. Die jüngste Klage des US-Bundesstaats Kalifornien gegen sechs Autokonzerne wegen Klimaschädigung ist nur ein Beispiel.

Viele Unternehmen arbeiten mittlerweile an neuen Technologien, versuchen, den Energieverbrauch und damit auch die Emissionen einzuschränken. Vor allem Elektrizitätsversorger, Energiekonzerne sowie die Metallverarbeitung, Bergbau- und Stahlkonzerne sind gefragt – sie sind die Urheber von 80 Prozent aller Treibhausgase.

„Der Klimawandel und seine Auswirkungen sind genauso wichtig wie das Zins- und Wechselkursrisiko“, sagt Henri de Castries, Vorstandschef des französischen Versicherungskonzerns Axa. Die Versicherungsbranche sieht sich mit immer höheren Forderungen konfrontiert: Allianz-Vorstand Joachim Faber verweist darauf, dass allein der Hurrikan „Katrina“ 2005 in den USA Schäden von 130 Milliarden Euro verursacht habe, von denen die Versicherungen 60 Milliarden Euro hätten tragen müssen. „85 Prozent der versicherten Schäden haben ihre Ursache im Wetter“, sagt Faber. Die Unternehmen werden auch selbst aktiv: Der Chemiekonzern Bayer etwa hat seit 1990 mehr als 700 Millionen Euro zur Reduzierung der CO2- Emissionen investiert. Bei der Hypo-Vereinsbank sind Flüge für Entfernungen von unter 500 Kilometern tabu, im Stadtgebiet ist die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs Vorschrift.

Die Umweltstiftung WWF räumt ein, dass die Firmen die Bedeutung des Klimawandels deutlicher sehen als noch vor Jahren. „Über die Auswirkungen und Risiken für ihr Geschäft sind sie sich aber längst nicht im Klaren“, sagt WWF-Experte Matthias Kopp.

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