Wirtschaft : Klingende Münze

In Berlin treffen sich Sammler auf der World Money Fair. Händler zahlen hohe Preise für Gold und Silber.

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Der Familienrubel. Die Münze mit dem Bild des russischen Zaren Nikolaus I. erzielte auf der Berliner Auktion 650 000 Euro. Foto: dpa
Der Familienrubel. Die Münze mit dem Bild des russischen Zaren Nikolaus I. erzielte auf der Berliner Auktion 650 000 Euro. Foto:...Foto: dpa

Berlin - „Für mich ist vor allem die Schönheit der Münzen wichtig“, sagt Lutz Naumann und zieht eine kleine, schwarze Schachtel aus der Tasche seiner abgewetzten Cordhose. Darin liegt eine goldene 100-Euromünze, ihre Prägung zeigt mehrere historische Gebäude. „Das sind die elf Denkmäler Weimars“, erklärt der 55-Jährige und rückt seine randlose Brille zurecht. Der Lehrer aus Leipzig ist einer von gut zwei Millionen Münzsammlern in Deutschland. Für das Sammlerstück hat er 2006 gut 300 Euro bezahlt. Weil der Goldpreis seitdem um einiges gestiegen ist, hofft er jetzt, die Münze für mindestens 600 Euro wieder verkaufen zu können. „Ich habe die Münze doppelt und brauche Geld für neue Stücke“, sagt Naumann.

Deshalb ist er an diesem Freitag ins Berliner Estrel Hotel gekommen, dort findet bis Sonntag die World Money Fair statt – eine internationale Münzmesse, die jedes Jahr rund 15 000 Sammler anzieht. Diesmal haben in den Veranstaltungssälen gut 300 Aussteller ihre Stände aufgebaut. Erst- und Zweithändler bieten Münzen und Medaillen an, Notenbanken und Münzproduzenten zeigen in beleuchteten Vitrinen ihre exklusivsten Stücke. Vor allem ältere Männer schieben sich durch die vollen Gänge. Die meisten tragen wie der Sammler aus Leipzig Hemd, Krawatte und Wollpullover.

„Was ich ja wirklich gerne sehen würde, ist der Familienrubel“, sagt Naumann. Doch dafür ist er einen Tag zu spät dran. Die russische Münze mit dem Bildnis von Zar Nikolaus I. ist am Donnerstag auf der Messe versteigert worden – für einen Rekordpreis von 650 000 Euro. „Das ist etwas ganz anderes als meine Euro-Gedenkmünze hier“, sagt Naumann und schiebt seine Münze zurück in die Hosentasche.

Bevor er sich weiter auf die Suche nach einem Käufer macht, bleibt er am Stand der Staatlichen Münze Berlin stehen. Das ist eine der fünf Stätten in Deutschland, die Münzgeld prägen. „Wenn das Geld aus Berlin kommt, steht immer ein großes A auf den Münzen“, erklärt Naumann. Er interessiert sich vor allem für die neue Zehn-Euro-Gedenkmünze, die kommende Woche erscheint und derzeit in der Berliner Prägestätte hergestellt wird. Zu sehen ist darauf Friedrich der Große, dessen 300. Geburtstag in diesem Jahr gefeiert wird. „Da muss man schnell sein“, sagt Naumann. „Es wird nur noch wenige dieser Gedenkmünzen aus Silber geben.“

Er hat recht. Weil die Preise für Silber so gestiegen sind, wird es mittlerweile bei einem Großteil der Münzen durch Kupfer und Nickel ersetzt. „Silber ist einfach zu teuer geworden, da müssten wir viel mehr als die zehn Euro pro Münze verlangen“, sagt Andreas Schikora, Geschäftsführer der Berliner Prägestätte.

Der Preisanstieg zeigt sich noch auf andere Weise: Die Münzen werden zunehmend für Anleger interessant. „Wer schon Gold im Tresor liegen hat, steigt jetzt bei Münzen ein“, sagt Barbara Balz, Geschäftsführerin der World Money Fair. Seit der Finanzkrise hätten Produzenten immer wieder Engpässe bei der Herstellung von Bullionmünzen. Das sind Münzen, die in hoher Stückzahl geprägt und die wegen ihres Gold- oder Silbergehalts als Wertanlage gekauft werden. Besonders gefragt ist der bekannte Krügerrand aus Südafrika. „Aber auch die Nachfrage nach der Silber-Quadriga-Sammelmedaille aus Berlin hat sich in den letzten Jahren verdreifacht“, sagt Schikora. 25 000 Stück seien davon 2011 verkauft worden.

So etwas kommt für Lutz Naumann nicht infrage. Für ihn steht die Lust am Sammeln, Kaufen und Wiederverkaufen im Vordergrund. Deshalb deckt er sich am Stand der Bundesbank auch gleich mal mit den neuesten Zwei-Euro-Stücken ein. Sie zeigen das Schloss Neuschwanstein und werden auf der Messe zum ersten Mal angeboten, bevor sie bald im großen Stil in Umlauf kommen.

Dann begibt Naumann sich wieder auf die Suche nach einem Käufer für seine 100-Euromünze – und wird schließlich am Stand eines hessischen Münzhändlers fündig. 650 Euro gibt der Naumann für seine Gedenkmünze. Der Sammler ist zufrieden. Allein dafür habe sich die Reise nach Berlin schon gelohnt.

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