Wirtschaft : Klischees und Hintergründe

Juliane Schäuble

Werden aus nicht verkauften Schoko-Hasen später Schoko-Nikoläuse?

Das Gerücht ist hartnäckig, aber eben nur ein Gerücht. Denn die Industrie produziert laut „Info-Zentrum Schokolade“ nur so viel, wie der Handel zuvor geordert hat. Und der könne ganz gut einschätzen, wie viele Schoko-Hasen oder -Nikoläuse die Verbraucher im Jahr verputzen. Was dennoch übrig bleibt, kann nach den Feiertagen meist verbilligt erworben werden. Auch wäre die Wiederverwendung unrentabel: Auspacken, Einschmelzen und der ganze Produktionsprozess bis hin zur neuen Verpackung wären zu aufwändig.

Macht Schokolade glücklich?

Die meiste Schokolade wird im Winter verspeist, in der Advents- und Weihnachtszeit. Der Grund könnte sein, dass viele dann in einem „winterlichen Stimmungstief“ stecken – das auch durch einen erniedrigten Serotonin-Spiegel im Gehirn mit verursacht wird. Das „Glückshormon“ Serotonin ist ein Botenstoff, der „gute Laune“ auslösen kann und aus Tryptophan gebildet wird. Der Serotoninspiegel im Gehirn hängt von der Intensität des Lichtes ab, das unsere Augen erreicht, und damit auch von der Dauer der hellen Tagesstunden. „Schokolade enthält Tryptophan – allerdings nicht in großen Mengen“, sagt Angelika Vollmar, Professorin für Pharmazeutische Biologie in München. Dass Schokolade dennoch den Serotoninspiegel im Gehirn anheben könnte, liegt vielleicht an dem hohen Zuckergehalt: Zucker ist der Treibstoff unseres Gehirns und stimuliert damit auch die Umwandlung von Tryptophan in Serotonin. Vollmar glaubt aber eher an eine andere Erklärung: „Schokolade macht uns glücklich, weil sie einfach gut schmeckt und so herrlich auf der Zunge zergeht.“

Kann man schokoladenabhängig werden?

Tatsächlich wurden in Schokolade canabinoide Substanzen gefunden, die – wie Haschisch – suchterregendes Potenzial besitzen. Allerdings in so geringen Konzentrationen, dass man rund 30 Kilogramm Schokolade essen müsste, bis man überhaupt einen Effekt bemerken würde, gibt Vollmar Entwarnung.

Bleibt man mit Bitterschokolade schlank?

So einfach ist das nicht. Es gibt zwar inzwischen Bitterschokolade aus 100 Prozent Kakao, aber auch die hat noch viele Kalorien: 100 Gramm Kakao haben 360 Kalorien. In Bitterschokolade fehlt die fettreiche Kakaobutter, doch Kakao-Öl und -Fett sind reichlich enthalten. Die in dunkler Schokolade vorhandenen Schutzstoffe sind kein Grund, mehr Schokolade zu essen, denn: „Diese Schutzstoffe finden sich auch in Obst und Gemüse, schwarzem oder grünem Tee“, sagt die AOK-Ernährungsberaterin Elke Jentzsch-Kraus. Und diese Lebensmittel seien viel gesünder .

Stimmen die Gerüchte, dass Blut und tierisches Lecithin in Schokolade vorkommen?

Der einzige tierische Bestandteil in Schokolade ist das Milchpulver, alles andere ist rein pflanzlich. Der Düsseldorfer Amielleo Faracchio wollte 1995 zwar mal eine tierbluthaltige Schokoladenmasse zum Patent anmelden – aber ohne Erfolg. Lecithine sind fettähnliche Verbindungen, die die Schokoladenmasse weniger zäh machen sollen. Dabei werden nur Pflanzenlecithine – in Deutschland Sojalecithin – eingesetzt.

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