Wirtschaft : KLM und Alitalia rücken noch enger zusammen

UTRECHT/GENF (tro/mo). Die Luftfahrtgesellschaften rücken immer enger zusammen. Nach der Bildung der Star Alliance unter Federführung der Deutschen Lufthansa, der Oneworld unter Regie von British Airways und der Qualiflyer Group, zu der Swissair und Austrian Airlines zählen, formiert sich mit KLM und Alitalia im Cockpit eine neue Gruppe unter dem Arbeitstitel Wings, zu der in absehbarer Zeit auch die US-Fluggesellschaft Northwest - bereits KLM-Partner - mit ihrer Continental-Beteiligung stoßen soll. Italiener und Niederländer, die seit Anfang 1998 in Teilen zusammenarbeiten, besiegelten nach langen Verhandlungen am Freitag in Genf den Vertrag.Mit der Gründung des Joint-ventures, das seine Arbeit Anfang November aufnehmen soll, gehen die niederländische Luftfahrgesellschaft KLM und die italienische Alitalia viel weiter als bisherige Flugallianzen: Weltweit wollen die beiden Airlines ihre Streckennetze und Verkaufsbüros zusammenlegen. Die Vereinbarung markiere eine "Wende" bei der Entwicklung von Luftfahrtallianzen, betonte KLM-Chef Leo van Wijk. Viele der internationalen Allianzen operierten auf der Basis loser Kontakte. Die eigene Zusammenarbeit gehe weiter. Jährlich 400 Mill. Euro an zusätzlichen Einsparungen erhoffen sich die beiden Airlines durch die engere Zusammenarbeit. Gemessen an der Anzahl der Passagiere soll die neue Allianz die größte Airline Europas werden. Nach eigenen Angaben beförderten KLM und Alitalia zuletzt im Jahr 39 Mill. Fluggäste. 1998 steuerten die beiden Gesellschaften 377 Ziele in 87 Ländern an. Zwar werden die Flugzeuge der beiden Partner weiter unter den bisherigen Firmennamen fliegen. Doch nicht nur das Streckennetz, auch das Management soll weitgehend in das neue Joint-venture integriert werden, an dem beide Gesellschaften zu 50 Prozent beteiligt sein werden.Zwar ist die neue Allianz noch keine Fusion, doch ähnelt die geplante enge Zusammenarbeit fast einer vollständigen Verschmelzung der beiden Unternehmen. Kosten und Einnahmen sollen zwischen KLM und Alitalia gleichwertig geteilt werden. Gemeinsam soll künftig auch über Investitionen in die Flugzeugflotte und Abfertigungshallen entschieden werden. Beispielsweise will KLM den Italienern für deren Investitionen am Mailänder Flughafen Malpensa 100 Mill. Euro zahlen: Der Mailand Airport ist neben dem Amsterdamer Flughafen Schiphol und Rom Fiumicino einer der drei Heimatflughäfen der Allianz.Sowohl beim Streckennetz als auch bei der Flugzeugflotte ergänzten sich die beiden Partner "perfekt", erklärte Alitalia-Chef Domenico Cempella. Tatsächlich kann KLM mit Alitalia die bisher relativ schwache Südflanke des europäischen Streckennetzes abdecken und auf kostengünstige Zubringerdienste für die Interkontinentalflüge hoffen: Die Italiener fliegen vor allem national und regional, die KLM setzt eher auf den interkontinentalen Flugverkehr. Angesichts der Kapazitätsprobleme in Schiphol ist der Standort Mailand für KLM eine willkommene Alternative für weiteres Wachstum.Bislang wurde die Verbindung der durchweg effizient geltenden KLM mit der bislang noch klar verlustträchtigen Alitalia in der Branche mit Skepsis betrachtet. Auch in Gewerkschaftskreisen hält man sich mit Kommentaren betont zurück. Der KLM-Betriebsrat beispielsweise fürchtet nicht nur Entlassungen, sondern ist auch über den Verlust angestammter Mitbestimmungsrechte besorgt. Denn in Italien stehen Arbeitnehmern gesetzlich weitaus weniger Rechte zu als in den Niederlanden.

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