Klonfleisch : Geklonte Embryos für britische Kühe

Die Engländer wissen nicht, wie viel Klonfleisch auf dem Markt ist, doch die Lebensmittelbehörde sieht keine Gefahr für Verbraucher. Ermittler verlassen sich auf die "Ehrlichkeit von Bauern".

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London - Die britische Lebensmittelbehörde FSA stand unter Erklärungsnot. Sie musste zugeben, dass im letzten Jahr Fleisch von mindestens einem Nachkommen eines geklonten Bullen in die britische Lebensmittelkette gelangte und vermutlich verzehrt wurde. Damit wurden bestehende britische und europäische Regeln verletzt. Gleichzeitig betonte die Behörde jedoch, der Vorfall sei harmlos. Ein Gesundheitsrisiko bestehe durch geklontes Fleisch nicht.

Aber Äußerungen der FSA ließen Zweifel an den Überwachungssystemen aufkommen. „Wir haben ein erstklassiges System, um den Weg von Rindern zu verfolgen. Aber wir wissen nicht, wie viele (geklonte) Embryonen importiert worden sind“, sagte FSA-Chef Tim Smith in der BBC. Man sei auf die „Ehrlichkeit von Bauern“ angewiesen, gab er zu. Die FSA hatte zwei Rinderembryonen identifiziert, die von einem in den USA geklonten Bullen stammen und im englischen Shropshire in britische Kühe implantiert wurden. Die Kälber wurden dann nach Schottland weiterverkauft.

Die FSA begann mit Ermittlungen, nachdem ein anonymer Bauer erklärt hatte, in Großbritannien werde routinemäßig Milch von geklonten Kühen ohne Kennzeichnung verkauft. Nach Recherchen der „Daily Mail“ sind auf einer Farm in Shropshire in den letzten vier Jahren 105 Sprösslinge der geklonten Super-Holstein-Milchkuh „Vandyk K Integ Paradise 2“ geboren worden. Der Aufbau einer neuen Generation von Hightech-Milchkuhherden begann mit dem per Luftfracht aus den USA eingeflogenen Embryo, kreiert in den Laboren der amerikanischen Biotech-Firma Cyafra Clone. Acht Embryos wurden importiert, zwei davon waren Bullen, die inzwischen 96 Sprösslinge haben, schrieb die Zeitung.

Erst im Juli hatte das EU-Parlament für ein Verbot von Klonfleisch gestimmt und eine geplante Richtlinie gekippt, die Klonprodukte mit Hinweis freigegeben hätte. Großbritannien gehört zu den Ländern, die gegen ein Verbot von Klonfleisch sind. Klonfleisch und -milch sind in den USA seit 2008 ohne Kennzeichnungspflicht freigegeben. Das erschwert ein europäisches Verbot, das nur über ein Importverbot von Produkten geklonter Tiere und möglicherweise auch der geklonten Embryonen selbst durchsetzbar wäre.

Britische Verbraucher sind seit Rinderwahn und Maul- und Klauenseuche empfindlich, ihre Bauern wollen aber an der Spitze des biotechnologischen Fortschritts stehen. Der Verband der Biobauern forderte ein sofortigen Einschreiten der FSA. „Klonen bedeutet invasive Techniken, die für die Surrogatmütter grausam sind. Für jeden gesunden Klon werden viele deformierte Tiere geschaffen, die sterben“, warnte Sprecherin Emma Hockridge. Der Bauernverband NFU dagegen will den Weg für den Fortschritt offenhalten. Matthias Thibaut

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