Wirtschaft : Kluft zwischen Arm und Reich wird größer

WASHINGTON (ro/wie).Dem Kampf gegen die Armut droht ein Rückschlag: Die Krise in Asien und Lateinamerika, die gravierenden Probleme in den Ländern der Sowjetunion und die rasante Ausbreitung von Aids entwickelten sich zur Hypothek, schreibt die Weltbank in ihrem neuesten Bericht zur Lage der Entwicklungsländer."Den Bemühungen zur Verbesserung wichtiger Entwicklungsbereiche droht ein Stillstand", warnt das Institut.

In Asien könnte die Finanzkrise die Erfolge in der Armutsbekämpfung wieder zunichte machen, in der GUS hat sich die Lage im vergangenen Jahrzehnt geradezu dramatisch entwickelt, heißt es in dem Bericht.In den GUS lebten 1989 rund 14 Millionen Menschen mit vier Dollar pro Tag und damit unter der Armutsgrenze.Mitte der neunziger Jahre waren es nach Erkenntnissen der Weltbank etwa 147 Millionen und damit ein Drittel der Bevölkerung.Gleichzeitig sei die Entwicklungshilfe auf den niedrigsten Stand seit fast 50 Jahren gesunken.

Nach Ansicht von Weltbank-Präsident James Wolfensohn muß die Weltbank ihre Zukunftsstrategie überarbeiten.Details nennt er allerdings nicht."Die Welt kann sich nicht noch ein verlorenes Jahrzehnt leisten, wie es Lateinamerika nach der Schuldenkrise der achtziger Jahre erlebt hat.Ein solcher Rückschlag würde unsere Ziele in weite Ferne rücken und Millionen in noch größeres Elend stürzen", warnt Weltbank-Direktorin Shaida Badiee, die Autorin des Berichtes.

Nach 25 Jahren von, so die Weltbank, erfolgreicher Entwicklungshilfe, ist die Lage jetzt alles andere als rosig."Alle Regionen haben im Kampf gegen die Armut an Schwung verloren".Viele Länder in Ost- und Südasien würden es jetzt nicht mehr schaffen, die Armut bis zum Jahr 2015 zu halbieren.In Indonesien werde sich die Zeitspanne um zwei Jahre, auf den Philippinen sogar um zehn Jahre verlängern, weil das Wachstum zu schwach sei.Auch die Unterschiede zwischen Arm und Reich werden größer.In 34 Entwicklungsländern verfügen die reichsten 20 Prozent der Bevölkerung über mehr als die Hälfte des Einkommens, während die ärmsten 20 Prozent mit weniger als fünf Prozent auskommen müssen.In Rußland galten 1995 rund 66 Millionen Menschen, etwa 40 Prozent der Bevölkerung, als arm.1987 waren es zwei Millionen.In Afrika macht die Aids-Epidemie Entwicklungserfolge zunichte.In Simbabwe sind 29 Prozent der Bevölkerung im Alter von 15 bis 49 Jahren infiziert.Zugleich wird die Kluft zwischen Industrie- und Entwicklungsländern größer: Während das Pro-Kopf-Einkommen 1997 in Deutschland 28 280 Dollar erreichte, kam Äthiopien auf 110 Dollar.

"Trotz der Probleme gibt es aber noch gute Nachrichten", betont Joseph Stiglitz, der Chef-Volkswirt der Weltbank.Der Lebensstandard sei in den vergangenen 25 Jahren "dramatisch" gestiegen.In Botswana etwa wächst die Wirtschaft seit 1965 pro Jahr im Schnitt um 11,5 Prozent, so stark wie in keinem anderen Land.Der freie Welthandel nehme zu, China und Indien, und damit 38 Prozent der Weltbevölkerung, seien von der Krise in Asien verschont geblieben, und in vielen Ländern habe sich der Tourismus zu einem wichtigen Pfeiler der Wirtschaft entwickelt.Von 1980 bis 1997 seien dort die Einnahmen aus dem Tourismus-Geschäft um 500 Prozent gestiegen.Und schließlich sieht die Weltbank die Kommunikations- und Computertechnologie in den Entwicklungsländern auf gutem Weg."Sie ermöglicht es den Entwicklungsländern, alte Technologien, die in den Industrieländern noch weit verbreitet sind, einfach zu überspringen." Botswana oder Ghana etwa verfügen über vollständig digitalisierte Telefonnetze.Auch das Internet werde immer mehr genutzt.Allerdings haben die Industriestaaten nach Einschätzung der Weltbank hier immer noch einen beträchtlichen Vorsprung.

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