Wirtschaft : Knapp 3400 Arbeitsplätze abgebaut - Vorstand will noch 2000 schwarze Zahlen schreiben

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Der Baukonzern Philipp Holzmann hat 1999 mit rund 2,63 Milliarden Mark zwar einen noch höheren Verlust eingefahren als erwartet, aber die Sanierung kommt offenbar zügig voran und die Geschäftslage normalisiert sich weiter. Die Bauleistung lag Ende März bei rund drei Milliarden Mark und damit etwa fünf Prozent höher als geplant, der Auftragsbestand bei rund 14 Milliarden Mark. Damit ist Holzmann nach Angaben von Vorstandschef Konrad Hinrichs für mehr als 13 Monate ausgelastet. Die vom Bund zugesagten Sanierungshilfen von insgesamt 250 Millionen Mark sind noch nicht ausgezahlt, da die Zustimmung der EU nach wie vor aussteht. Ein möglicher Verkauf des Unternehmens, so heißt es, sei für den Großaktionär Deutsche Bank derzeit kein Thema. Bis Jahresende passiere nichts.

Hinrichs berichtete den Gläubigerbanken am Mittwochabend über seine Sanierungsarbeiten. Dabei wurde zum einen klar, dass der Vorstandschef rasch und zügig vorgeht und Vorgänge abstellt, die Holzmann zum Teil schwer geschadet haben. So hätten einige Niederlassungen ihren Kunden Zahlungsziele von bis zu 200 Tagen eingeräumt. Bei anderen Ablegern hätten sich pro Monat allgemeine Kosten in zweistelliger Millionenhöhe angehäuft. 17 der 23 Niederlassungen wird Holzmann schließen, sechs wurden bereits aufgelöst, die meisten anderen sollen bis Ende Juni geschlossen werden. Auch den Abbau von 3800 Arbeitsplätzen hat Hinrichs schon zum großen Teil umgesetzt: Bis Anfang Mai haben 3338 Mitarbeiter auf Basis von überwiegend sozialverträglichen Regelungen ihren Job aufgegeben. Davon haben fast 1500 das Angebot angenommen, für ein Jahr in eine Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft zu wechseln. Gut 200 haben dadurch schon wieder einen neuen Arbeitgeber gefunden. Allein in der Frankfurter Zentrale wurden bislang rund 100 der ehemals 280 Arbeitsplätze gestrichen. Die IG Bau in Berlin teilte am Donnerstag mit, dass sie vom Betriebsrat des Fertigteilwerkes der imbau Berlin in Hohenschönhausen darüber informiert sei, dass Holzmann das Werk und den Baubetrieb mit insgesamt 400 Arbeitsplätzen schließen will.

Diese Entwicklung hat nach Angaben von Hinrichs dazu geführt, dass die allgemeinen Kosten bereits erheblich gesenkt werden konnten. Weitere Einsparmöglichkeiten würden konsequent ausgeschöpft. Dazu gehört auch der Abbau von 280 der rund 600 überwiegend verlustreichen Beteiligungen. 16 wurden bereits verkauft, bis Ende August soll die Hälfte abgegeben sein. Auch bei der Senkung der operativen Kosten etwa bei der Materialbeschaffung oder beim Baumanagement kommt Holzmann gut voran: Bereits ein Drittel der anvisierten Einsparungen von 270 Millionen Mark habe man umgesetzt, sagte Hinrichs den Bankenvertretern.

Dass der Verlust 1999 um gut 200 Millionen Mark höher ausfällt - bisher war man von 2,4 Milliarden Mark ausgegangen - ist nach Angaben von Hinrichs unter anderem darauf zurückzuführen, dass der Ertrag aus dem Verkauf der Zentrale in Frankfurt von etwa 130 Millionen Mark nicht 1999, sondern erst in diesem Jahr verbucht werden kann. Außerdem habe der Auftragseinbruch unmittelbar nach der Finanzkrise im November und Dezember höhere Kosten nach sich gezogen als bisher veranschlagt und für die Altlasten seien höhere Rückstellungen notwendig. Seine grundsätzlich positive Einschätzung für das Jahr 2000 werde dadurch aber nicht in Frage gestellt. Holzmann soll im laufenden Jahr schon wieder einen operativen Gewinn von 50 Millionen Mark einfahren. Auch die Unternehmensberatung Roland Berger sieht Holzmann wieder auf gutem Weg. Nach Vollendung der Restrukturierung habe Holzmann "alle Chancen, auf den Märkten auch unter schwierigen Rahmenbedingungen gut zu bestehen".

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