Wirtschaft : Kneipen im Abseits

Berlins Gastwirte sind sauer – ohne die Bundesliga drohen ihnen Umsatzeinbußen

Rainer W. During

Berlin - Der Wegfall der Bundesliga-Übertragung bei Premiere trifft besonders die Kneipenszene. Allein für Berlin sind im Internetportal Sportkneipe.de 740 Gaststätten aufgelistet, die für den Status einer Premiere Sports-Bar teuer bezahlen. Künftig werden die Kneipenwirte wohl zweigleisig fahren müssen und das Bundesliga-Angebot des Kabelnetzbetreibers Arena abonnieren.

„Ohne Bundesliga gibt es sicher Einbußen“, sagt Alfred Haarhaus vom „Heckmeck“ in der Eisenacher Straße. „Wir sind praktisch gezwungen, alle zu nehmen“, sagt auch der Wirt von „Hanne am Zoo“ in der Joachimstaler Straße. Auf die Champions-League will er nicht verzichten, aber natürlich „wollen die Leute auch Hertha sehen“. Schon jetzt zahlt er monatlich rund 200 Euro an Premiere. Der Pay-TV-Sender berechnet die Kneipengebühr nach der Größe der Gaststätte und zusätzlich nach der Zahl der Bildschirme. „Das ist schon unverschämt“, sagt ein Mitarbeiter der Köpenicker „Abseitsfalle“, dem Fanlokal des FC Union. Er hat allerdings seine ganz eigene Theorie. Die geht so: Arena, der neue Eigner der Übertragungsrechte wird ein Geschäft mit Premiere machen, und am Ende bleibt alles so, wie es ist. „Auf jeden Fall zahlen wir nicht die doppelte Gebühr“, sagt er. Grundlage dieser Theorie dürfte jedoch weniger Wissen als Wunschdenken sein.

Wie im „Sporttreff“ in der Britzer Buschkrugallee gehen die meisten Kneipenwirte eher davon aus, dass Premiere ohne Bundesliga die Preise senken wird. Ob die angekündigte 20-Euro-Obergrenze des neuen Anbieters dagegen auch für Gaststätten gilt, ist noch unklar.

„Jedenfalls wird Premiere die Probleme haben, und nicht etwa die Kneipen“, sagt Klaus-Dieter Richter. Er ist Chef der Gastronomiesparte im Hotel- und Gaststättenverband Berlin-Brandenburg. Denn die Fans werden auch weiterhin das Gemeinschaftserlebnis der Fußballübertragung im Stammlokal zelebrieren, ist sich Richter sicher. „Welchen Sender sie dabei gucken, das ist ihnen ziemlich egal.“

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