Knietief im Dispo : Stiftung Warentest kritisiert hohe Überziehungszinsen

Wer sein Konto dauerhaft überzieht, zahlt kräftig drauf. Die Stiftung Warentest hat die Dispozinsen von 1000 Banken, Sparkassen und genossenschaftlichen Instituten abgefragt - mit erstaunlichen Ergebnissen.

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Versteckte Kosten. Viele Banken werben mit gebührenfreien Konten. Wer bei seiner Bank aber ins Minus rutscht, muss oft hohe Zinsen bezahlen.
Versteckte Kosten. Viele Banken werben mit gebührenfreien Konten. Wer bei seiner Bank aber ins Minus rutscht, muss oft hohe Zinsen...Foto: ddp

Berlin - Wer sein Konto dauerhaft überzieht, zahlt kräftig drauf. Die Stiftung Warentest hat sich die Dispozinsen von 1000 Banken und Sparkassen angeschaut. Die Spanne reicht von sechs bis knapp 17 Prozent. Im Durchschnitt kassieren die Banken 12,56 Prozent – fast ein Prozent mehr als noch vor einem Jahr. Das heißt: Wer über ein Jahr mit tausend Euro im Minus steht, zahlt dafür 125 Euro. Das sei zu viel, findet Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur der Zeitschrift „Finanztest“. „Zweistellige Zinssätze passen nicht in eine Zeit, in der die Marktzinsen auf ein historisches Tief gesunken sind“, sagte er am Dienstag.

Die Berliner Sparkasse verlangt mit 13,25 Prozent überdurchschnittlich hohe Dispozinsen, Berliner Volksbank (13 Prozent) und Spardabank Berlin (12,9) liegen nur knapp darunter. Bei der Berliner Bank zahlt der Kunde 12,75 Prozent, genau wie bei der Deutschen Bank. Am teuersten ist das Überziehen bei der Targobank, früher Citibank, die bei einem Kontomodell 16,99 Prozent berechnet. Günstige Angebote machen viele Direktbanken wie die Skatbank (sechs Prozent) oder die DAB Bank mit 6,95 Prozent.

Auch die Commerzbank berechnet ihren Kunden mit 13,24 Prozent überdurchschnittlich viel. Erik Schweickert, verbraucherpolitischer Sprecher der FDP-Fraktion, findet das bedenklich: „Es ist sehr ärgerlich, dass ausgerechnet die Commerzbank, die wir mit staatlichen Mitteln gestützt haben, den Kunden mit die höchsten Zinsen abverlangt“, sagte Schweickert dem Tagesspiegel. In der Finanzkrise hat sich der Bund mit 18,2 Milliarden Euro an der Commerzbank beteiligt. „Das zeigt umso mehr, wie wichtig es ist, dass sich der Staat jetzt schnellstmöglich aus seiner Zuständigkeit für die Commerzbank wieder zurückzieht“, sagte Schweickert.

Der Zentrale Kreditausschuss, ein Zusammenschluss aller Bankenverbände in Deutschland, verteidigte die hohen Dispozinsen mit der Begründung, dass flexible Kreditrahmen grundsätzlich teurer seien als langfristige Verträge. Schließlich müssten die Banken Eigenkapital dafür zurücklegen, auch wenn der Dispo gar nicht beansprucht würde. Zudem sei das Ausfallrisiko bei Überziehungskrediten höher.

Die Banken selbst können sich ihr Geld zu besseren Konditionen leihen. Im Oktober 2008 stand der Leitzins der Europäischen Zentralbank bei 4,25 Prozent. Während der Finanzkrise senkten die Währungshüter den Satz auf ein Prozent. Auch, um den Banken die Kreditvergabe zu erleichtern. Tenhagen kritisiert, dass die Banken die Vorteile nicht an die Kunden weitergeben. Nur die Zinsen für die Sparer würden kontinuierlich sinken.

Auch Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) kritisierte die Banken scharf: „Zinsen von bis zu 17 Prozent sind aus meiner Sicht nicht begründbar“, sagte sie dem „Handelsblatt“. Es könne nicht sein, dass sich die Banken auf Kosten der Verbraucher sanierten. Die Verbraucherministerin forderte die Banken auf, sich an die rechtlichen Vorgaben zu halten und die eigenen Zinsvorteile eins zu eins an ihre Kunden weiterzugeben.

Denn tatsächlich gibt es seit Juli ein Gesetz, das den Banken vorschreibt, ihre Zinssätze an einen Referenzzins zu koppeln, beispielsweise den Leitzins der Europäischen Zentralbank. Steigt er, können sie ihre Zinsen erhöhen, sinkt er, müssen sie ebenfalls senken. Allerdings: „Die gesetzliche Regelung kommt zu einem ungünstigen Zeitpunkt“, warnt Stefanie Pallasch von „Finanztest“. Die Zentralbanken werden die Leitzinsen bald wieder erhöhen müssen, was bedeutet, dass das Überziehen noch teurer wird als ohnehin schon.

Nach Angaben der Stiftung Warentest steht befindet sich das Girokonto von jedem sechsten Bankkunden in Deutschland im Minus. Laut Bundesbank betrug das Volumen der Überziehungskredite im Mai dieses Jahres 41,6 Milliarden Euro. Der größte Teil davon sind Dispokredite. Ein gutes Geschäft für die Banken, meint Hermann-Josef Tenhagen: „Die Geldinstitute kassieren für jeden Prozentpunkt, um den sie den Zinssatz nicht senken, 416 Millionen Euro im Jahr.“

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