Wirtschaft : Knigge für Finanzdienstleister soll Anlegerschutz verbessern

RITA LANSCH (HB)

Am Anfang hat der Kunde das Geld und der Berater die Erfahrung.Am Ende ist es umgekehrt, sagt ein Sprichwort.Damit es Anlegern besser ergeht, wachen zwei Aufsichtsbehörden über die Geldbranche: Das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel (BAWe) und das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen (BAKred).Deren Arbeitsteilung: Das BAKred ist für Zulassung und Sanktionen zuständig, das BAWe für Anlegerschutz und Markttransparenz.

Seit Anfang dieses Jahres benötigen Vermögensverwalter, die neu am Markt sind, den staatlichen Segen des BAKred, um legal tätig werden zu können.Ausgenommen sind Finanzdienstleister, die nur Fonds oder Versicherungen vermitteln sowie der sogenannte gebundene Agent, wie etwa der mobile Vertrieb einer Vollbank oder eines Wertpapierhandelsunternehmens.Rund 7000 Anträge sind in Berlin eingegangen - viele unnötiger Weise.Denn wer bereits tätig ist, benötigt keine offizielle Zulassung.

Neue Vermögensverwalter müssen ihre fachliche Kompetenz und finanzielle Rücklagen nachweisen: Je nach Art der Geschäfte muß ein Startkapital von mindestens 50 000 Ecu (rund 100 000 DM) vorhanden sein.Wer direkt Kundengelder empfängt, hat 125 000 Ecu vorzuweisen, wer auf eigene Rechnung handelt 730 000 Ecu.Die fachliche Eignung ist per Lebenslauf nachzuweisen.Zum Geschäftsplan gehören die Offenlegung von Art und Umfang der Geschäfte sowie geeignete Sicherheitsmaßnahmen gegen Kursrisiken.

Auch das BAWe hat seit Januar mehr Arbeit.Seitdem gelten die Verhaltensregeln des Wertpapierhandelsgesetzes (Abschnitt 5 des WpHG) nämlich nicht nur für Banken, sondern auch für Finanzdienstleistungsinstitute.Sie geben einen Mindeststandard für die Kommunikation zwischen Kunde und Dienstleister vor - eine Art Knigge für Finanzdienstleister.Für Kreditinstitute gilt dieser Verhaltenskodex schon seit 1995.Anfangs haben sie ihn allerdings mißverstanden und ihre Kunden mit umfangreichen Fragebögen bombardiert.Das BAWe hat deshalb am 26.Mai 1997 eine Richtlinie erlassen, die die Gesetzesanforderungen konkretisiert.Ihr Ziel ist, die faire Behandlung der Anleger sicherzustellen und sie in die Lage zu versetzen, eine selbständige und eigenverantwortliche Anlageentscheidung treffen zu können.

Für Vermögensverwalter gibt es eine solche Richtlinie noch nicht.Doch Jürgen Oberfrank, Sprecher des BAWe, rät, daß die Verwalter sich an der 15 Seiten starken Richtschnur orientieren sollten.Dort ist dokumentiert, wie der Kunde zu informieren ist.Unpräzise Formulierungen führen allerdings dazu, daß die Dienstleister noch reichlich Ermessensspielraum genießen.Grundsätzlich hat der Anleger folgende Rechte

Aufklärung vor Geschäftsabschluß über die wichtigsten Aspekte der Transaktion beziehungsweise der Anlageform.

Dienstleistungen sind im Interesse des Kunden mit Sorgfalt, Sachkenntnis und Gewissenhaftigkeit zu erbringen.

Der Vermögensverwalter sollte sowohl das Anlageprodukt als auch seinen Kunden genau kennen.Dazu sind Informationen über Erfahrung, Anlageziele und finanzielle Verhältnisse einzuholen - auf freiwilliger Basis und ohne Weitergabe an Dritte.Umgekehrt muß der Vermögensverwalter seinem Kunden alle Informationen zur Verfügung stellen, die ihm eine Anlageentscheidung in seinem Interesse ermöglichen.Hierzu gehören Fakten über Auf- und Abschläge, Provisionen, Entgelte und Gebühren, Auszahlungsfristen und vor allem Informationen über Ertragschancen und Verlustrisiken.

Verboten sind Geschäfte, die nicht im Interesse des Kunden, sondern im Eigeninteresse verfolgt werden.Verboten ist auch das sogenannte Churning, bei dem der Kunde durch eine unverhältnismäßig große Anzahl an Geschäften unangemessen hohe Kosten zu tragen hat.Das gleiche gilt für das "Frontrunning", das heißt Eigengeschäfte, die in Kenntnis des Kundenauftrags getätigt werden und für ihn nachteilig sein können.

Das BAWe erhält vom BAKred regelmäßig die Adressen der Newcomer auf dem Markt, die einmal jährlich von beauftragten Wirtschaftsprüfern kontrolliert werden.Sanktionen kann jedoch nur das BAKred verhängen: Bußgelder bis zu einer Mill.DM bis hin zum Entzug der Erlaubnis.

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