Wirtschaft : Koalition einigt sich auf neuen KfW-Chef

Ulrich Schröder von der NRW-Bank soll es werden. Nur über das Gehalt wird noch verhandelt.

Stefan Kaiser

Berlin - Bei der Suche nach einem neuen Chef für die staatliche KfW-Bankengruppe läuft alles auf Ulrich Schröder hinaus. Wie der Tagesspiegel am Dienstag aus Koalitionskreisen erfuhr, haben sich Union und SPD bereits in der vergangenen Woche auf den bisherigen Chef der NRW-Bank als Nachfolger für Ingrid Matthäus-Maier geeinigt. Schröders Vertrag sei allerdings noch nicht unterschrieben. Zuletzt habe man noch über das Gehalt verhandelt.

Matthäus-Maier, die im April wegen der Krise der KfW-Tochter IKB von ihrem Chefposten zurückgetreten war, verdiente 2007 rund 466 000 Euro. Schröder kam in seiner alten Funktion als Chef der größten deutschen Landesförderbank auf 815 000 Euro. „Nun muss man sich irgendwo in der Mitte treffen“, sagt ein Koalitionär. In jedem Fall wird Schröder immer noch zu den besser bezahlten Staatsbankern gehören. Zum Vergleich: Der Chef der Bundesbank, Axel Weber, verdient rund 370 000 Euro. Chefs von privaten Instituten können darüber nur lachen: Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann bekam 2007 knapp 14 Millionen Euro.

Schröder gilt als Kandidat der CDU, die das inoffizielle Vorschlagsrecht besaß. Anders als die frühere SPD-Politikerin Matthäus-Maier kann er aber auch eine lange Erfahrung als Banker vorweisen – vornehmlich bei der Düsseldorfer Landesbank WestLB. „Der neue Chef wird seine Unabhängigkeit von der Politik unter Beweis stellen müssen“, fordert denn auch Jürgen Koppelin, parlamentarischer Geschäftsführer und haushaltspolitischer Sprecher der FDP-Fraktion, der auch im Verwaltungsrat der KfW sitzt. Bisher sei die Förderbank zu sehr die Hausbank des Finanzministers gewesen.

Noch dringender dürfte die Aufgabe sein, die angeschlagene Mittelstandsbank IKB zu verkaufen, an der die KfW rund 45 Prozent hält. Mehrere Milliarden Euro hat die IKB-Krise die KfW bereits gekostet. Nun will der Bund die Skandalbank loswerden, ohne weiteren Schaden zu verursachen. Zuletzt war von neun Interessenten für die Mittelstandsbank die Rede gewesen. Wie viele zur am Montag ausgelaufenen Frist tatsächlich ein Angebot abgegeben haben, verrieten Regierung und KfW nicht. Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) hatte sich im Tagesspiegel für eine zügige Bewertung der abgegebenen Angebote ausgesprochen. Noch im Mai sollten die Gremien darüber beraten. Die Opposition hält das für falsch: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Angebote so schnell geprüft werden können“, sagte FDP-Politiker Jürgen Koppelin. Stefan Kaiser

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