Wirtschaft : Koalition gegen Stromimporte: Stromwirtschaft für faire Wettbewerbsbedingungen

Die deutsche Stromwirtschaft hat die Politik aufgefordert, faire Wettbewerbsbedingungen auf dem europäischen Energie- und Strommarkt zu schaffen. Das sagte der Präsident der Vereinigung Deutscher Elektrizitätswerke (VDEW), Günter Marquis, bei der Vorstellung der Leistungsbilanz von 1999 am Dienstag in Berlin. Der Standort Deutschland sei derzeit im europäischen Vergleich einseitigen Belastungen ausgesetzt, kritisierte er.

Als Beispiel nannte Marquis die Belastungen durch die Ökosteuer, die er für 1999 auf rund vier Milliarden Mark bezifferte. In diesem Jahr würden die Belastungen auf rund sieben und im Jahr 2005 auf zwölf bis 15 Milliarden Mark steigen, prognostizierte er.

Der VDEW forderte außerdem eine Harmonisierung der europäischen Umweltstandards. In diesem Zusammenhang und mit Blick auf die geplante Osterweiterung der Europäischen Union wandte sich Marquis gegen ein Verbot von Stromimporten aus den Beitrittsländern. Vielmehr müsse die Politik dafür sorgen, dass die osteuropäischen Kraftwerke technisch nachgerüstet würden, um den hohen Umweltstandards zu genügen.

Deutschland belegt den Angaben zufolge in der Europäischen Union mit rund 40 Millionen Stromkunden im Bereich der Haushalte und rund vier Millionen Industriekunden den Spitzenplatz. Der gesamte Stromverbrauch habe in Deutschland 1999 im Vergleich zum Vorjahr mit einem Anstieg von 0,2 Prozent nahezu stagniert, hieß es weiter. Im ersten Halbjahr diesen Jahres habe die Wirtschaftskonjunktur ein Verbrauchsplus von etwa zwei Prozent bewirkt. Langfristig wird der Stromverbrauch Schätzungen zufolge jedoch nur mäßig wachsen.

Die Leistungsbilanz der Stromwirtschaft im Winter 1999/2000 habe die hohe Auslastung der Kapazitäten belegt, sagte Marquis weiter. Die Kraftwerke in Deutschland brächten eine Leistung von insgesamt 112 000 Megawatt auf. 86 Prozent entfielen auf den Kraftwerkspark der Stromversorger.

Wie es weiter hieß, war der dominierende Energieträger der Stromversorger im vergangenen Jahr mit rund 35 Prozent die Kernenergie. Braunkohle habe 26 Prozent und Steinkohle 25 Prozent des Stroms gestellt. Weiterhin wies Marquis darauf hin, dass die Stromwirtschaft rund 70 Prozent des Regenerativ-Stroms produziere, etwa zwei Drittel davon aus Wasserkraft.

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