König Abdullah : Der Pate von Dschidda

Auf der Krisenkonferenz in der saudi-arabischen Hafenstadt Dschidda ging es um Psychologie. Gesten des guten Willens zeigte König Abdullah, Geschenke machten die Ölförderländer nicht.

K. Hoffmann,A. Nüsse
König Abdullah
Saudi-Arabiens König Abdullah brachte Erdöl-Förderer und -Konsumenten zusammen. -Foto: dpa

Berlin/Kairo - Als der saudische König Abdullah am Sonntag den Konferenzsaal in der Hafenstadt Dschidda betrat, erhoben sich die Politiker aus 36 Ländern und von 22 Ölkonzernen. An seiner Seite schritten der britische Premierminister Gordon Brown als ranghöchster Vertreter der westlichen Welt und der chinesische Vizepräsident Xi Jinping, der die öldurstige neue Supermacht vertritt. Abdullah gab das Tempo vor: Bedächtig schritt der 83-jährige Monarch durch den Saal, die beiden Begleiter passten sich an.

In der Mitte des Podiums nahm der König Platz und saß damit nicht nur symbolisch zwischen allen Stühlen. Das ist seine Rolle. Als Gastgeber der internationalen Ölkonferenz wollte er sich als Partner präsentieren. Das Treffen sollte der Welt zeigen, dass der größte Erdölexporteur Saudi-Arabien die weltweiten Sorgen der Konsumenten über die rasant steigenden Ölpreise ernst nimmt. Zu weit konnte sein Land allerdings nicht auf die Industrieländer wie den traditionellen Verbündeten USA zugehen.

Unmittelbar vor der Konferenz hatte der Chef der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec), Tschakib Chelil, die Gegenposition formuliert: Die auf den Märkten gezahlten Preise hätten absolut nichts mit dem Angebot und der Nachfrage zu tun. „Wir glauben, dass der Markt im Gleichgewicht ist. Es ist kein Problem des Angebots von Öl“, sagte Chelil, der zugleich algerischer Ölminister ist. Auch Länder wie Venezuela lehnen eine höhere Förderung ab.

Der saudische König dagegen zeigte sich offen für „zusätzlichem Bedarf in der Zukunft weiter entgegenzukommen.“ Doch anders als vom Westen erhofft, kündigte er keine weitere konkrete Produktionssteigerung an. Abdullah betonte lediglich, dass Saudi-Arabien seine Ölproduktion bereits von 9 auf 9,7 Millionen Barrel am Tag gesteigert habe – ein Höchststand seit 1981. Darin sind bereits die 200 000 Millionen Barrel inbegriffen, die ab Juli zusätzlich produziert werden sollen. Auch der andere traditionelle Verbündete Kuwait stellte eine Erhöhung der Fördermenge in Aussicht.

Beim Gipfel von Dschidda ging es um Psychologie und Gesten den guten Willens. So gab Abdullah das Versprechen ab, eine Milliarde Dollar in einen Opec-Fonds einzuzahlen, der Entwicklungsländer unterstützen soll, deren Bevölkerung besonders unter den steigenden Ölpreisen und der Inflation leidet. Außerdem sollen 500 Millionen Dollar für Kredite für Entwicklungsprojekte in armen Ländern bereit gestellt werden.

Zugleich wies Abdullah den von den USA und anderen Erdölimporteuren erhobenen Vorwurf zurück, die Opec-Länder seien schuld an der Verdoppelung der Ölpreise sei dem vergangenen Jahr, weil sie die Produktion nicht drastisch hochführen. Er machte neben der steigenden Nachfrage „Spekulanten, die aus eigennützigen Interessen mit dem Markt spielen“ und „zusätzliche Steuern in Konsumentenländern“ verantwortlich. Damit widersprach er vehement dem US-Energiesekretär Samuel Bodman, der „keinerlei Anzeichen" dafür sah, dass Spekulanten hinter den rasanten Preissteigerungen stehen.

Den Europäern kam in Dschidda eine Art Vermittlerrolle zu, die allen voran der britische Premier Brown ausfüllte. Er forderte eine höhere Produktion, um die „Unsicherheit“ zu beenden. Er versprach jedoch auch, den Einfluss anderer Faktoren zu untersuchen. Brown schlug einen „neuen Deal“ vor: die Konsumentenländer sollten ihre Volkswirtschaften für Investoren aus erdölproduzierenden Ländern öffnen – auch für jene „souveränen“ Vermögensfonds der Golfstaaten, denen der Westen bisher so skeptisch gegenüber steht, weil er politische Einflussnahme fürchtet.

Brown griff auch die Forderung einer Studie der Internationalen Energieagentur IEA auf und forderte massive Investitionen in Atomkraft und erneuerbare Energien. Bis zum Jahr 2050 müssten weltweit 1000 neue Atomkraftwerke gebaut werden. Europa werde sich als Technologie-Partner weiter öffnen, so Brown.

Während seines Vortrages zeigte das offizielle saudische Fernsehen Nahaufnahmen der arabischen Vertreter. Versteinerte, regungslose Gesichter, die auf wenig Enthusiasmus für die neue Partnerschaft schließen lassen.

Insgesamt waren vier Stunden angesetzt, um die weltweite Ölkrise zu lösen – einschließlich der Rezitation von Suren des Korans. Kein Teilnehmer sollte länger als sieben Minuten sprechen. Am Ende zeigte sich Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) als Vertreter der Bundesregierung insgesamt zufrieden. „Ich gehe davon aus, dass von dieser Konferenz ein deutliches Signal ausgeht, das zu einer Beruhigung der Preisentwicklung beitragen kann“, sagte er. Glos unterstützte die von Brown vorgeschlagene Fortführung des Dialogs zwischen Produzenten und Verbrauchern. Dass der Minister auch für längere Laufzeiten von Atomkraftwerken ist, um die Krise zu bewältigen, ist ebenfalls bekannt.

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