Königliche Porzellan-Manufaktur : KPM speist Abwärme ins Fernwärmnetz ein

Bei der Herstellung von Porzellan entsteht Abwärme. Die Königliche Porzellan-Manufaktur lässt die nun ins Berliner Fernwärmenetz einspeisen.

Solveig Gode
Echte Berliner essen Currywurst. Für das Traditionsgericht fertigt KPM stilechte Schalen. KPM-Gesellschafter Woltmann und Vattenfall-Berlin-Chef Müller (v.l.n.r.)
Echte Berliner essen Currywurst. Für das Traditionsgericht fertigt KPM stilechte Schalen. KPM-Gesellschafter Woltmann und...Foto: promo

Das älteste Unternehmen Berlins, die Königliche Porzellan-Manufaktur (KPM), versorgt die Hauptstadt ab sofort nicht mehr nur mit handgefertigtem Geschirr, sondern auch mit heißem Wasser. Am Dienstag gaben die KPM und Vattenfall eine Kooperation bekannt, bei der die KPM-Produktionsabwärme aus der Porzellanherstellung ab jetzt in das Berliner Fernwärmesystem eingeschleust wird. „Das sorgt für 150 000 heiße Duschen pro Jahr“, sagt Gunther Müller, Vorstandschef der Vattenfall Wärme Berlin.

Vattenfall Wärme steuert das bereits seit über 100 Jahren bestehende Berliner Fernwärmenetz. Unter Fernwärme versteht man die Lieferung von Heizwasser für das Beheizen von Gebäuden sowie von Brauchwarmwasser zum Beispiel für Bad und Dusche. Herkömmlich wird Fernwärme in Heizkraftwerken erzeugt. Im Vergleich mit gas- oder ölbeheizten Gebäuden entsteht bei der Fernwärmeversorgung pro Wohnung und Jahr rund eine Tonne weniger CO2-Emission.

Das neue Verfahren ist umweltschonender

Das Besondere an der Kopplung von Abwärme- und Fernwärmesystem ist, dass dieser Weg der Energierückgewinnung CO2-frei ist. So sagt Jörg Woltmann, KPM-Alleingesellschafter, dass die Herstellung durch die Kooperation mit Vattenfall effizienter, grüner und heimatverbundener würde.

Bislang wurde die Abwärme, die bei der Produktion entsteht, nach einer Filterung einfach über einen Schornstein ungenutzt in die Umwelt geleitet, erklärt der KPM-Fertigungsleiter Carsten Glitzky. In Zukunft könne das überschüssige Wärmepotenzial umgeleitet und dadurch nutzbar gemacht werden. Das funktioniert laut Glitzky so: Während des Betriebs der vier Brennöfen, in die jeweils 2 400 Currywurst-Schalen aus Porzellan passen, fließt die Wärme, die bei dem Brennvorgang entsteht, in eine Wärmerückgewinnungsanlage, wo sie Heizwasser auf 110 Grad Celsius erhitzt. Das erhitzte Wasser fließt anschließend über den Wärme-Übertrager in das Fernwärmesystem und damit in die Heizung der Berliner Haushalte. „Auch wenn verlässliche Zahlen erst nach etwa einem Jahr messbar sind, kommt man schätzungsweise mit der Abwärme von drei Currywurst-Schalen auf eine heiße Dusche“, sagt Glitzky.

Nur wenige Firmen können das System nutzen

Die Einführung der nötigen Infrastruktur sowie die Koordination der Einspeisung seien laut Glitzky jedoch sehr kompliziert, weshalb die Umsetzung einer CO2-freien Energiegewinnung in der Bereitwilligkeit von Unternehmen liege, Umstände in Kauf zu nehmen.

Die Nutzung industrieller Abwärme sei in Berlin zudem schwierig, da in der Stadt nur wenig Industrie angesiedelt ist. Hinzu komme, dass auch die Temperatur und die Hydraulik zusammenpassen müssten, weshalb nur wenige Berliner Unternehmen infrage kämen. Trotz technischer Herausforderungen, sei es gerade deshalb wichtig, „jetzt damit anzufangen und das Abwärmepotenzial der Berliner Unternehmen möglichst schnell und umfassend zu heben“, sagt Müller. Vattenfall will nach dem Pilotprojekt mit KPM möglichst noch viele weitere Berliner Unternehmen integrieren; welche das sein werden, ist aber noch unklar.

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