Wirtschaft : Kohl, Kohle, Köhler (Gastkommentar)

Jacob Heilbrunn

Wenn du nicht erfolgreich bist, versuch es nochmal, so lautet ein amerikanisches Motto. Gerhard Schröder scheint es sich zu Herzen genommen haben. Zum zweiten Mal schlägt er einen Deutschen vor, der den Internationalen Währungsfonds IWF leiten soll. Wenn nicht Koch-Weser, dann Köhler. Aber wir Amerikaner bleiben skeptisch. Köhler arbeitete jahrelang für Helmut Kohl. Köhler, Kohle, Kohl - keine schöne Assoziation. Zumal kein Amerikaner auf den Umlaut bei Köhler achtet.

Wenn man sich die Affären anschaut, in die der ehemalige Bundeskanzler verwickelt ist, beginnt man zu zweifeln, ob die Deutschen noch mit Geld umgehen können. Früher war das anders. Da war das US-Bild vom Deutschen: sparsam, fleißig, pingelig mit Geld. Und nun? Das Land hat nach 16 Jahren Kohl so viel Schulden wie nie. Und es scheint im Nachhinein, dass in Kohls Deutschland nicht viel anders als in der DDR regiert wurde. Eine Partei verteilte den Staat unter sich. Und es wird noch schlimmer: Nun will Kohl seine Partei mit fast der gleichen Methode retten, mit der er sie zuvor in die Krise stürzte. Mit Spendengeld. Und wieso sollen wir eigentlich glauben, dass Köhler, der früher die Nummer zwei im Finanzminsterium war, nicht auch von der Kohlschen Großzügigkeit geprägt ist?

Nein, wenn es unbedingt ein Deutscher sein muss, um Schröders Nationalstolz zu befriedigen, dann doch lieber ein Sozi. In Deutschland scheinen die Konservativen ziemlich unkonservativ mit Geld umzugehen. Ein Sozialist hingegen würde sich unter Druck fühlen, beweisen zu müssen, wie vernünftig er ist. So könnte er das US-Bild vom knauserig-peniblen Deutschen noch retten.Der Autor ist Kolumnist des US-Internet-Journals "PoliticalWag".

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