Wirtschaft : Kohleförderung im Saarland endet 2012

RAG-Konzern will zunächst rund zwei Drittel der Arbeitsplätze erhalten / Gewerkschaft IG BCE hält Pläne für ausgewogen

Saarbrücken - Das Bergbauunternehmen RAG will im Saarland nur noch bis zum Jahr 2012 Kohle fördern – und damit zwei Jahre kürzer als geplant. Knapp drei Wochen nach dem bislang schwersten Grubenbeben an der Saar habe sich der Aufsichtsrat des Konzerns auf dieses Datum verständigt, sagte RAG-Vorstandschef Bernd Tönjes am Samstag in Saarbrücken.

„Damit wollen wir Gefahr für Leib und Leben der Bevölkerung ausschließen, einen Großteil der Arbeitsplätze im Bergbau und den Zulieferbetrieben erhalten“, sagte Tönjes. Der Konzern verzichte von sich aus auf das bebenträchtige Kohlefeld Primsmulde Süd und das noch nicht erschlossene Feld Primsmulde Nord. Ein sicherer und für die Menschen über Tage gefahrloser Abbau sei dort nicht möglich und eine weitere Förderung „nicht verantwortbar“. Stattdessen will die RAG im Flöz Grangeleisen und im Flöz Wahlschied des Bergwerks Saar Kohle fördern.

Die saarländische Landesregierung hat bislang noch nicht über die Pläne der RAG für eine befristete Fortsetzung der Kohleförderung entschieden. „Wir werden dieses Ansinnen prüfen“, sagte Ministerpräsident Peter Müller (CDU) am Samstag in Saarbrücken. Dennoch sehe er im Verzicht des Unternehmens auf die lukrativen Abbaufelder Primsmulde Süd und Nord das Ende des Bergbaus im Saarland. Er begrüße diesen Schritt..

Der Beschluss zum Ausstieg berücksichtige die Belange aller Betroffenen aus Politik, der Bürgerinitiativen und der Kraftwerksbetreiber, sagte RAG-Chef Tönjes. „Allerdings müssen wir als Unternehmen deutliche Abstriche machen.“ Kurzfristig könnten rund zwei Drittel der Belegschaft weiter einen Arbeitsplatz behalten. Die RAG beschäftigt im Saarland insgesamt rund 5500 Menschen.

Das konkrete Konzept für den weiteren Abbau werde in den kommenden Wochen erarbeitet. Das Konzept solle dann auf der nächsten Aufsichtsratssitzung am 2. April vorgelegt werden. Die Vorschläge habe der Aufsichtsrat am Freitagabend im nordrhein-westfälischen Herne einstimmig beschlossen.

Am Samstag informierte der Konzern auf einer Versammlung in Saarbrücken auch die Belegschaft. „Wir gehen davon aus, dass wir bis zu 3200 Mitarbeiter weiter in Beschäftigung haben werden“, sagte RAG-Arbeitsdirektor Peter Schimpf. Beim Jobabbau werde man sich auf die jüngeren Mitarbeiter konzentrieren. So sollen die rund 300 Auszubildenden nicht übernommen werden. Alleine in diesem Jahr gingen zudem rund 500 Beschäftigte in den Vorruhestand. Den übrigen Betroffenen werde man bei der Vermittlung in den Arbeitsmarkt helfen.

Seit dem Beben am 23. Februar ruht der Abbau in dem Bergwerk in Ensdorf. Die Landesregierung hatte noch am selben Tag einen Abbaustopp für das Kohlefeld Primsmulde Süd verfügt. Die RAG selbst stellte den gesamten Betrieb ein. Mehr als 3500 Beschäftigte sind in Kurzarbeit. Die Bundesagentur für Arbeit hatte die Zahlung des Kurzarbeitergelds zunächst bis zum 31. März genehmigt. Möglicherweise werde die RAG eine Verlängerung beantragen, sagte Schimpf.

Die Gewerkschaft IG BCE bezeichnete die Pläne als ausgewogen. „Damit wird das Unternehmen seiner Verantwortung für die Beschäftigten und die saarländische Wirtschaft gerecht, schafft Sicherheit für Leib und Leben über und unter Tage und vermeidet Lieferengpässe für die saarländischen Kraftwerke“, sagte der Vorsitzende Hubertus Schmoldt . dpa

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