Wirtschaft : Koloradhkij äug

Kolorado-Käfer

Dirk Uffelmann

Was möchten Menschen in der russischen Provinz als erstes über Westeuropa erfahren? Wie es dort dieses Jahr mit dem Kolorado-Käfer steht. So jedenfalls erging es mir oft, im Gespräch mit Einheimischen einige hundert Kilometer östlich von Moskau. Das höfliche Interesse, wie es denn im Westen sei, galt vor allem der brennenden Frage, wie es dort dieses Jahr mit dem Kolorado-Käfer stünde.

Auf meine landwirtschaftliche Unbedarftheit hin wurde ich in einen jener Gemüsegärten geführt, die die Grundversorgung der Bewohner mit Kartoffeln, Gurken, Tomaten und Karotten sicherstellen und in denen keine Zierblumen, geschweige denn Rasenflächen zu finden sind. Dort zeigte man mir einen hübschen, schwarz-gelb gestreiften kleinen Käfer – um das possierliche Tierchen sofort zu zerquetschen, in einen bereitstehenden Kerosin-Topf oder gar ins Feuer zu werfen.

Es handelte sich um den ärgsten Feind menschlichen Überlebens in der russischen Provinz nach Winter und Wodka. Keine politische Repression wird so gefürchtet wie die Plage des Käfers, dessen rote Larven die Blätter von Kartoffelpflanzen in der Wachstumsphase schädigen, sodass keine Knollen reifen können. Dank der Kartoffel aus der Ý Datscha aber lebt und überlebt Russland. Also wird der Käfer, dem nur mit wahren Chemiekeulen beizukommen ist, was sich im Kleingarten nicht lohnt, in mühsamer Handarbeit vernichtet.

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