Wirtschaft : Kolping-Bildungswerke vor dem Aus

Weiterbildungsträger sieht sich durch die Hartz-Reform bedroht – weil der Preis vor Qualität geht

Peter Thelen

Berlin – Das Kolpingwerk, drittgrößter Bildungsträger für Fort- und Weiterbildung in Deutschland, sieht viele seiner über das ganze Bundesgebiet verstreuten Bildungseinrichtungen in ihrer Existenz bedroht. Der Grund ist die mit dem Hartz-III-Gesetz eingeleitete Sparpolitik bei der aktiven Arbeitsmarktförderung. Der Etat wurde 2003 um 20 Prozent zusammengestrichen, in diesem Jahr soll er um weitere zwölf Prozent gekürzt werden. „Ich weiß nicht, ob ich im Juli, wenn die Vergabe der neuen Fördermaßnahmen zur Berufsvorbereitung durch die Bundesagentur für Arbeit (BA) abgeschlossen sein wird, überhaupt noch Mitarbeiter beschäftigen kann“, sagt Joachim Lehmann, Geschäftsführer des Kolping-Bildungswerks im Diözesenverband Augsburg.

Lehmann musste bereits im vergangenen Jahr etwa 50 seiner 300 Mitarbeiter entlassen. Ähnlich sehe es in den übrigen 21 Bildungsunternehmen des Kolpingwerkes in Deutschland aus, sagt Werner Sondermann von der Arbeitsgemeinschaft der Kolping-Bildungwerke. Die Sparpolitik bei der aktiven Arbeitsmarktförderung sei zwar „zum Teil berechtigt, weil in der Vergangenheit viele zweifelhafte Maßnahmen gefördert wurden – vor allem in den neuen Bundesländern“, sagt Sondermann.

Doch im Falle des Kolpingwerks mit seinen bundesweit noch rund 3000 Beschäftigten gehe es „vor allem um die Frage, ob es in Zukunft noch ortsnahe, qualifizierte Angebote für die Problemgruppen am Arbeitsmarkt“ gebe. Dabei denkt Sondermann an Langzeitarbeitslose, Jugendliche mit Lernschwierigkeiten oder von Arbeitslosigkeit bedrohte ältere Arbeitnehmer. Mache die Bundesagentur so weiter, drohe ein Kahlschlag.

Sorge bereitet den Kolping-Einrichtungen vor allem die neue Vergabepraxis, mit der die Kürzungen umgesetzt werden. „Die Bundesagentur ist dazu übergegangen, dass statt der Arbeitsämter zentrale Vergabestellen Aufträge in großen Losen ausschreiben, die mehrere Arbeitsmarktregionen zusammenfassen.“ Den Zuschlag erhalte der Billigste, klagt der Landesverband des Kolpingwerks Nordrhein-Westfalen. So blieben regionale Anbieter auf der Strecke, während große kommerzielle Träger den Zuschlag erhielten. Diese könnten ihr Personal oft ohne Rücksicht auf Qualität zu Billiglöhnen einkaufen, da sie anders als die Gemeinnützigen nicht an Tarifverträge gebunden seien. Um zu sparen hat die BA zudem den Personalschlüssel verändert. „Kümmerte sich früher ein Mitarbeiter um sechs benachteiligte Jugendliche, muss er heute zwölf betreuen“, klagt Sondermann.

Im vergangenen Jahr hätten die Arbeitsämter in der Tat nur den billigsten Anbieter gewählt, bestätigt der Arbeitsmarktexperte der Union, Karl-Josef Laumann (CDU). Inzwischen beobachte er jedoch ein Umdenken: „Ich kann nur an die BA appellieren, mehr auf Qualität zu achten und das spezielle Know-how örtlicher Träger zu nutzen“, betont er. Denn das brauche die Bundesagentur, wenn sie ihr Hartz-IV-Versprechen, Langzeitarbeitslosen bessere Arbeitsmarktchancen zu geben, einlösen wolle. HB

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