Wirtschaft : Kommentar: Die Börse wartet und wartet und ...

Henrik Mortsiefer

Das Warten kann einem an der Börse mitunter ganz schön lang werden. Das Warten auf Alan Greenspan zum Beispiel - eine Lieblingsbeschäftigung der Anleger in diesem Jahr. Am 3. Januar senkte die US-Notenbank den Leitzins zum ersten Mal, danach folgten vier weitere Schritte. Um insgesamt 2,5 Punkte auf 4,0 Prozent ist der Satz bis heute gefallen. Am Mittwoch ist es wieder so weit, "Big Al" entscheidet über die sechste Zinssenkung im laufenden Jahr. Und hellt sich nun die Stimmung langsam auf? Mitnichten. Das Warten geht weiter.

Wie auch immer die Fed auf die trübe Stimmung reagiert: Zinssignale werden die Aktienkurse allein nicht mehr beflügeln. Nach den jüngsten Gewinnwarnungen aus der Chemie-, Pharma- und Halbleiterbranche ist der Traum von einer Sommerrallye geplatzt. 65 Prozent aller US-Unternehmen, die sich zuletzt zu ihrer Ertragslage geäußert haben, mussten ihre Prognosen nach unten korrigieren. Das versetzt nicht nur dem amerikanischen Markt einen Rückschlag. In Europa sitzen die Anleger ebenso geschockt von Infineon, BASF, dem eingebrochenen Geschäftsklima und revidierten Wachstumsprognosen auf ihren Depots. Und sie warten auf bessere Zeiten - und auf EZB-Chef Wim Duisenberg. Das Warten auf den geldpolitischen Befreiungsschlag lohnt sich in Europa indes noch weniger als in den USA. Die Inflationsrate verdammt die EZB vorerst zum Stillhalten. Es bleibt also dabei: Solange die Intels, Daimler-Chryslers und Telekoms dieser Welt nicht deutlich optimistischer in die Zukunft blicken, werden an der Börse weitere Warteschleifen gedreht.

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