Wirtschaft : Kommentar: Erfolg gegen Bayer wäre eine Niederlage

Maren Peters

US-Verbraucherschützer nutzen die Gunst der Stunde. Sie haben den Bayer-Konzern verklagt, der den Daumen auf das Milzbrand-Antibiotikum Cipro hält. In einer Zeit, da ganz Amerika aufgebracht ist und in Angst vor gefährlichen Milzbrand-Erregern, stößt es vielen bitter auf, dass der Konzern durch illegale Preisabsprachen billige Nachahmermedikamente verhindert haben könnte. Die Amerikaner fühlen sich in einer Notsituation - und der Pharmariese Bayer fährt satte Gewinne ins Trockene. Viele Verbraucher sind der Meinung, dass Bayer sein Marktmonopol schamlos ausnutzt. Und nicht einmal die Tatsache, dass Bayer - wenn auch unter erheblichem Druck - Entgegenkommen gezeigt und sich mit der US-Regierung über eine drastische Preissenkung geeinigt hat, hat sie versöhnlich stimmen können. Bayer bleibt weiter unter Beschuss. Auch deshalb, weil die Preise für die "normalen" Kunden in der Apotheke unverändert geblieben sind.

Die aufgebrachte Stimmung der Verbraucher eröffnet den Generika-Hersteller ungeahnte Möglichkeiten: Sie bieten Kopien der teuren Original-Arzneien an und warten nur darauf, auch die milliardenschwere Milzbrand-Pille Cipro nachmachen zu dürfen. Je schneller Bayers Patentrechte fallen, desto größer ist die Aussicht auf satte Margen für die Generika-Firmen. So lange die Amerikaner Angst vor Milzbrand haben, werden sie sich in den Apotheken mit dem Milzbrand-Killer Cipro eindecken. Die Klage der Verbraucherschützer, die Bayer in die Knie zwingen soll, dürfte ihnen daher nicht ungelegen kommen. Vielleicht hat die Billig-Konkurrenz sogar selbst die Hände im juristischen Spiel.

Aber es ist ein gefährliches Spiel. Denn der Sinn der Patente liegt darin, den Patentinhaber für die hohen Kosten der Medikamentenentwicklung zu entschädigen. Patentrechte zu verteidigen, wie Bayer das tut, ist das gute Recht der Pharmakonzerne. Denn wenn der Pillen-Erfinder kein Patent bekäme, würde er das nächste Mal keine Pille mehr entwickeln. So wäre der kurzfristige Erfolg vor Gericht langfristig eine Niederlage für die Verbraucher.

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