Wirtschaft : Kommentar: LTU braucht neue Partner

Martina Ohm

Es sieht nicht gut aus für LTU. Wenn die Düsseldorfer Ferienflieger nicht demnächst - wie schon die Maschinen von Swissair - am Boden bleiben sollen, muss etwas geschehen. Und das schnell. LTU, in den 80er Jahren als erster ernst zu nehmender Reisekonzern Deutschlands gefeiert, ist zwar nicht pleite. Aber das Liquiditätskorsett ist derart eng geschnürt, dass nur noch eine finanzielle Notoperation helfen kann. Ohne Unterstützung der Banken und der Landesregierung, ohne Zugeständnisse der Mitarbeiter und ohne Wohlwollen aus Brüssel hat LTU keine Zukunft. Dabei waren die Düsseldorfer auf gutem Wege. Nach Jahren der Turbulenzen, im wesentlichen Folge eines miserablen Managements unter Führung der WestLB, hatte der jüngste Sanierungsplan erste vorzeigbare Erfolge gebracht. Rund 20 Prozent lagen die Düsseldorfer zuletzt noch über Plan. Personalabbau, Flottenumstellung, ordentliche Kapazitätsauslastung - die Perspektiven schienen nicht schlecht. Doch Terroranschläge und Swissair-Pleite haben LTU einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die gewaltige Konsoliderungswelle, die seit dem 11. September die gesamte Branche überrollt, kann LTU nur mit Hilfe eines neuen Partners überstehen. Die letzte Partnerwahl jedenfalls war alles andere als hilfreich. Die Schweizer sind heute aus dem Rennen. Und die Kölner Einzelhändler haben ernsthaft gar kein Interesse am zusätzlichen Fluggeschäft: Für Rewe-Chef Hans Reischl war vielmehr ausschlaggebend, dass er sich mit dem LTU-Deal die lukrativen Veranstalter der Düsseldorfer LTU wie Meiers Weltreisen, Jahn oder Tjaereborg sichern konnte. Zu mehr reicht die Freundschaft nicht. Schade für LTU.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben