Wirtschaft : Kommentar: Überschüsse zur rechten Zeit

Daniel Rhee-Piening

Die Lebensversicherungen müssen ihren langfristigen Aktienbesitz künftig nicht mehr wie bisher nach den Tiefstwerten bilanzieren. Damit können sie zumindest in diesem Jahr höhere Bilanzgewinne und eine höhere Überschussbeteiligung für die Versicherten ausweisen. Die Bundesregierung ist den Forderungen der Assekuranz nachgekommen, die die Änderung mit der internationalen Harmonisierung begründet.

Im Prinzip hätte der Gesetzgeber hierfür noch Zeit gehabt - doch die Reform kommt für alle Beteiligten zur rechten Zeit. Der Bundesregierung muss daran gelegen sein, dass die Lebensversicherungen zwei Monate vor Einführung der Riester-Rente gute Ergebnisse und ordentliche Überschussbeteiligungen ausweisen können. Nur so ist die private Vorsorge populär zu machen. Den Unternehmen kommt die Änderung gelegen, weil sie verdecken können, dass auch die Anlage in Lebensversicherungen nicht immer die erhoffte Rendite bringt - besonders nicht in schlechten Börsenjahren. Sie können weiterhin mit großzügig gerechneten Beispielen werben. Und schließlich nutzt die neue Bilanzierungsregel den Anlegern. Sie können auch für das Jahr 2001 eine höhere Verzinsung erhalten. Offen bleibt die Frage, ob ihnen nicht schon früher eine höhere Rendite zugestanden hätte. Ob die Versicherungen Gewinne, statt sie auszuschütten, im Unternehmen gehalten haben. Bei der Kalkulation der Versicherer bleibt ein gewaltiger Gestaltungsspielraum, der Vergleiche mit anderen Formen der Anlage schwer macht.

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