Wirtschaft : Kommentar: Wettbewerb auf französisch

Carsten Brönstrup

Na prima. Endlich gibt es echten Wettbewerb auf der Schiene: Der Bahnbetreiber Connex, ein Tochterunternehmen des französischen Mischkonzerns Vivendi, will die Interregio-Züge der Deutschen Bahn übernehmen, das Angebot ausweiten, die Qualität verbessern und die Preise senken. Connex ist also der Retter in der Not, der die von der Bahn stiefmütterlich behandelten Interregios vor dem Aus wegen mangelnder Profitabilität bewahrt. Und nahezu alle profitieren davon: Die Kunden, weil sie mehr Verkehr für weniger Geld bekommen, die Bundesregierung, weil endlich mehr Reisende die Eisenbahn benutzen und das Auto stehen lassen, und Connex sowieso. Allein die Deutsche Bahn bekäme im prestigeträchtigen Fernverkehr Konkurrenz, die dem Staatsunternehmen keck demonstrieren könnte, wie man den Bahnfahrer zufrieden stellt und dabei auch noch Geld verdient.

Doch das Connex-Angebot ist nur auf den ersten Blick verlockend. Die Franzosen wollen erst dann in den Fernverkehr einsteigen, wenn sie massive Subventionen für den Betrieb der angeblich chronisch defizitären Interregio-Züge bekommen. Wer zahlt, ist Connex egal, ob die Bahn, der Bund oder die Länder. Wettbewerb funktioniert aber anders - gewinnen soll, wer die besten Ideen hat, nicht, wer die meisten Millionen vom Staat bekommt. Zweifellos würde der Deutschen Bahn Konkurrenz im Fernverkehr gut tun und die Sanierung beschleunigen. Ein Privatunternehmen, das am Tropf des Staates hängt, ist dafür aber nicht die erste Wahl. Obendrein würde das Geld, welches die Länder für einen besseren Fernverkehr an Connex zahlen müssten, im bislang schon (zu Recht) subventionierten Nahverkehr fehlen - für die Bahnfahrer wäre das Angebot also ein Nullsummenspiel. Und wer jetzt Connex großzügig Steuergelder zusagt, darf sich nicht wundern, wenn bald der nächste private Eisenbahnanbieter die Hand aufhält - dann vielleicht für den Hochgeschwindigkeits-Fernverkehr oder den Gütertransport.

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