Wirtschaft : Kommt der Haifisch im deutschen Einzelhandel, Wal-Mart, nun zum Zug? (Kommentar)

Margarita Chiari

Die Entscheidung kam plötzlich. Mit einem Schlag trennt sich der Einzelhandelsriese Tengelmann von seinem Stammgeschäft, den Supermärkten. In Zukunft wird der Traditionsname nur noch für Baumärkte, Textilketten und Discounter bürgen. Dass ausgerechnet der Eigentümerunternehmer Erivan Haub - der sich selbst einmal in einem seiner raren Interviews als "Verkäufer aus Passion" bezeichnet hatte - zu einem so radikalen Schnitt entschließen würde, das hat die Branche aber erstaunt.

Der mörderische Preiskampf im Lebensmittelhandel und die zunehmende Konzentration fordert ein weiteres Opfer. Tengelmann war zu klein und zu zersplittert, um im Lebensmittelgeschäft noch ganz oben mitzuschwimmen. Dazu kamen falsche strategische Entscheidungen: Die zügige Expansion in den neuen Ländern hat das Unternehmen zu viel gekostet. Andere, wie Aldi, waren da zurückhaltender. Seit Jahren fuhren die Supermärkte hohe Verluste ein. Nur durch den Rückgriff auf die - freilich auch gut gepolsterte - Schatulle der Familie Haub wurde das immer wieder ausgeglichen. Nun hat die Familie den Schlussstrich gezogen. Mit dem Rückzug auf wenige Bereiche, in denen sie über eine starke Marktposition verfügt, kann sie ihr Geld auf Dauer besser sichern.

Die spannende Frage ist nun, wer von den großen Wettbewerbern letztlich das Geschäft übernehmen wird. Eine Allianz mit Edeka, wie sie Haub am liebsten hätte, ist keineswegs gewiss. Denn zum einen wird das Kartellamt hier noch ein Wörtchen mitreden, und dem Marktführer Einschnitte abverlangen. Zum anderen wird viel Geld für die Restrukturierung der Supermarktkette erforderlich sein. So ist keineswegs ausgeschlossen, dass am Ende der Haifisch im deutschen Einzelhandel, die amerikanische Kette Wal-Mart, bei Tengelmann zum Zug kommt.

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