Wirtschaft : Kommunikationsbranche: Die Telekom erhöht die Preise

vis

Telefonanschlüsse werden teurer. Die Deutsche Telekom erhöht zum 1. Mai die monatlichen Grundgebühren für analoge und ISDN-Anschlüsse um jeweils 65 Cent. Dafür werden Ortsgespräche billiger. Die neuen Preise hatte die Telekom im Januar beantragt, jetzt sind sie von der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post vorläufig genehmigt worden. Ende März will die Behörde eine endgültige Entscheidung treffen. Trotz der geplanten Preiserhöhung sehen die Wettbewerber der Telekom keinen Grund zum Jubeln. Grafik: Telefonanschlüsse im Vergleich Der Preis für einen analogen Telefonanschluss wird nach den Plänen der Telekom um fünf Prozent von derzeit 12,68 Euro auf 13,33 Euro steigen. ISDN-Nutzer zahlen künftig mindestens 23,60 Euro oder 2,8 Prozent mehr. Laut Telekom ist das die erste Erhöhung der Grundgebühr seit 23 Jahren. Während die Preise für die Anschlüsse jetzt steigen, sinken die Preise für Telefonate im Ortsnetz von aktuell 6,2 auf sechs Cent. Ortstelefonate werden damit um 3,2 Prozent billiger.

Mit der neuen Preisgestaltung reagiert die Telekom nach eigenen Angaben auf eine Kritik des Bundeskartellamtes. Beim Geschäft mit den Anschlüssen macht die Telekom nämlich Verluste. Der Telekom war daher immer wieder vorgeworfen worden, dass sie über nicht Kosten deckende Preise bei den Telefonanschlüssen ihre Marktmacht ausspiele und den Wettbewerb behindere. "Das Defizit ist mit der Preisanhebung noch nicht beseitigt", sagte ein Telekom-Sprecher. "Aber es wird gemindert." Alle Telefongesellschaften der Welt machten in diesem Bereich Verluste, sagte der Sprecher weiter. Die werden dann aus den Einnahmen für die Verbindungen mehr als ausgeglichen.

Da die Preise für die Anschlüsse steigen, die für die Verbindungen im Nahbereich aber sinken, kommt es auf die Telefoniergewohnheiten des einzelnen Kunden an, ob er am Ende mehr zahlt oder weniger. Vieltelefonierer im Ortsnetz profitieren. Kunden, die sehr wenig oder vor allem in die Ferne telefonieren, zahlen mehr. Die Telekom rechnet damit, dass einige Kunden die Preiserhöhung zum Anlass nehmen werden, den Anbieter zu wechseln. Was die Preisverschiebung der Telekom bringen werde, sei daher noch offen. "Wir rechnen mit bis zu zehn Millionen Euro plus, die am Ende bei der Telekom bleiben", sagte der Sprecher. Etwa sieben Milliarden Euro setzt die Deutsche Telekom im Ortsnetz um - ohne die Umsätze für die Verbindungen.

Wie hoch die Kosten für die Bereitstellung eines Telefonanschlusses sind, darüber wird in der Branche heftig gestritten. Diese Kosten sind entscheidend für den Preis, den Wettbewerber der Telekom zahlen müssen, wenn sie deren Leitungen mieten, um eigene Kunden zu erreichen. Die monatliche Miete für fremde Anbieter liegt zur Zeit bei 12,48 Euro (ohne Mehrwertsteuer) - und damit über dem Preis, den die Telekom von ihren eigenen Kunden verlangt. Von Wettbewerb im Ortsnetz kann daher auch noch keine Rede sein. Die Telekom hat dort immer noch einen Marktanteil von 97 Prozent.

"Die jetzt genehmigte Erhöhung bringt den Wettbewerb nicht weiter", sagt ein Sprecher des Konkurrenten Arcor, der nur die teureren ISDN-Anschlüsse anbietet. Für diese Mehrleistung muss der Kunde auch mehr bezahlen. Nur so lohne sich das Geschäft, heißt es bei Arcor. Die Masse der Kunden, die nur einen einfachen Anschluss will, lässt sich so nicht gewinnen. Der Geschäftsführer des Bundesverbands der regionalen und lokalen Telekommunikationsgesellschaften (Breko), Rainer Lüddemann, sieht daher in der Preiserhöhung nichts positives. "Die moderate Erhöhung entlastet die Wettbewerber nicht." Kritik gab es auch vom Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM). Mit diesem "Schachzug" versuche die Telekom die dringend nötige Preissenkung für die Anmietung der Leitungen durch Wettbewerber zu verhindern. Nur mit niedrigeren Preisen für die Vorprodukte könne Wettbewerb im Ortsnetz entstehen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar