Wirtschaft : Kommunikationsbranche: Die Telekom stiftet Verwirrung

Corinna Visser

Die Deutsche Telekom erhöht die Preise und eigentlich weiß niemand so recht, wie er diesen Schritt nun deuten soll: Wer kaum telefoniert, der steht schlechter da als vorher. Wer aber gern Dauertelefonate mit dem Nachbarn um die Ecke führt, der zahlt bald weniger. Wer nur Ferngespräche führt, muss dagegen ebenfalls mehr bezahlen. Und ob für die Telekom unter dem Strich mehr als Kleingeld übrig bleibt, weiß das Unternehmen selber nicht.

Warum also nutzt die Telekom ihre erste Tariferhöhung für den Grundpreis seit mehr als 20 Jahren, um nichts als Verwirrung zu stiften? Die Antwort ist kompliziert: Die Telekom bevorzugt nämlich ihre eigenen Kunden und benachteiligt die Wettbewerber. Die Wettbewerber müssen mehr für den Anschluss bezahlen als die Endkunden. Das ist zumindest ungewöhnlich: Denn normalerweise zahlt der Kunde im Einzelhandel mehr Geld für eine Ware als Großkunden. Deshalb sehen die Wettbewerber nun auch in dieser Tariferhöhung keinen Grund zur Freude. Zwar zahlt der Einzelhandelskunde jetzt ein bisschen mehr, zur Konkurrenz wechseln wird er deshalb trotzdem nicht. Und die Telekom-Wettbewerber zahlen nach wie vor einen höheren Preis - Kunden gewinnen und im Ortsnetz Geld verdienen wird dadurch nicht einfacher.

Die Telekom versucht mit ihrer Preisstrategie, die Regulierungsbehörde und das Kartellamt zufrieden zu stellen. Ron Sommer will diese Behörden davon abbringen, der Telekom weiter die Preise zu diktieren. Das wird ihm jedoch so lange nicht gelingen, wie es keinen nennenswerten Wettbewerb im Ortsnetz gibt. Die jetzige Preiserhöhung bringt ihn da nicht voran.

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