Kommunikationsparte : Siemens baut weitere 600 Stellen ab

Betroffen ist die Sparte Telefonanlagen für Firmen. Es laufen bereits Verhandlungen mit den Betriebsräten über einen sozialverträglichen Abbau.

Berlin - Der Technologiekonzern Siemens will in seinem Geschäft mit Kommunikationslösungen für Unternehmen bis zum Jahresende mehr als 600 der insgesamt knapp 6000 Stellen in Deutschland streichen. Das teilte die IG Metall Bayern am Montag in München mit. Betroffen seien alle Bereiche und alle Standorte von Siemens Enterprise Communications (SEN). Eine Sprecherin des Unternehmens bestätigte die Pläne, wollte aber keine Details nennen. „Die Verhandlungen mit dem Sozialpartner haben gerade erst begonnen.“ Sie sagte lediglich, es seien vorwiegend Verwaltungsstellen und weniger Mitarbeiter mit Kundenkontakt betroffen.

Besonders hart soll es nach Angaben der Gewerkschaft die Zentrale in München mit insgesamt etwa 250 Stellenstreichungen treffen. In Berlin arbeiten 270 Beschäftigte für SEN. Wie viele Stellen hier gestrichen werden könnten, dazu wollte Siemens keine Angaben machen.

Mit den Plänen zum Personalabbau seien die Arbeitnehmervertreter auf der Sitzung des Wirtschaftsauschusses am 31. Juli konfrontiert worden, ohne dass dies auf der Tagesordnung gestanden habe, kritisierten Gesamtbetriebsrat und IG Metall. Die pauschalen Planungen, die sich besonders krass im Service-Bereich von kleinen und mittleren Firmen auswirken würden, seien nicht nachvollziehbar, erklärte der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats, Walter Bläßing. In den meisten Niederlassungen solle jeder zweite Techniker des Bereichs für kleinere und mittlere Firmen gehen, „obwohl die Arbeit schon heute oft nicht zu bewältigen ist“. Die IG Metall sieht durch die Pläne ihre Befürchtungen bestätigt, die sie schon bei der Abtrennung des Siemens-Unternehmensbereichs Communications geäußerte hatte. „Die ehemalige Handy- Sparte ist bei BenQ in Insolvenz gegangen, bei Nokia Siemens Networks werden gerade 2300 Stellen abgebaut, und nun sollen auch bei Siemens Enterprise über zehn Prozent der Stellen gestrichen werden“, kritisierte die Gewerkschaft.

SEN mit einem Jahresumsatz von drei Milliarden Euro gehörte früher zur verlustreichen Kommunikationssparte Com. Siemens teilte am Montag mit, SEN habe in den ersten drei Quartalen des laufenden Geschäftsjahres spürbare Fortschritte erzielt. Der Umbau zu einem Software-Haus komme voran. „Auf der Kostenseite wurden signifikante Verbesserungen erzielt“, hieß es. „Hier sind jedoch noch weitere Schritte erforderlich.“ Die Ergebnissituation bleibe insgesamt weiterhin angespannt. vis

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben