Konferenz : Urlaubsziele leiden unter Klimawandel

Die Tourismusbranche bekommt den teilweise selbst hervorgerufenen Effekt nun am eigenen Leib zu spüren: Der Klimawandel verändert viele beliebte Reiseziele. Die Touristen bleiben deshalb aus, die Branche droht zu kriseln.

Tourismus
Vergangenheit? Ohne Schnee gibt es auch keine Wintersport-Touristen. -Foto: ddp

DavosDie Lust am Reisen ist ungebrochen, die erwarteten Steigerungsraten der Tourismusindustrie beeindrucken, doch wird der Klimawandel zur Bedrohung für die schönste Zeit des Jahres. Schon jetzt sind zwei der beliebtesten Urlaubsformen direkt betroffen: Der Strand- und der Wintertourismus. Die Konferenz über Klimawandel und Tourismus der Weltorganisation für Tourismus (UNWTO) hätte sich kaum einen besseren Tagungsort für ihre dreitägige Konferenz zu diesem Thema in dieser Woche aussuchen können: Im rund 1600 Meter hoch gelegenen Schweizer Ort Davos fürchtet man um den Tourismus - aus Schneemangel.

Das Thema Tourismus und Klimawandel sei nicht neu, hieß es in Davos. Die Unterorganisation der Vereinten Nationen befasst sich schon seit Jahren damit. Doch könne man, so Teilnehmer, die Diskussion nicht mehr auf das Ausmaß der Umweltbelastungen reduzieren, für die der Tourismus etwa durch den Lufttransport verantwortlich sei. "Nur noch Urlaub zu Hause, keine Flugreisen mehr, nur kurze Autofahrten?", das seien keine Fragen, die es in Davos zu beantworten gelte.

Einnahmen aus Wintersport in ernster Gefahr

Vielmehr gehe die Bedrohung einer Industrie mit dreistelligen Milliardenumsätzen derzeit aktuell von der Natur aus: An den Stränden durch den Algenwuchs oder durch Quallenplagen im jetzt wärmeren Wasser, durch die aktuelle Malariabedrohung an der italienischen Riviera oder den kürzeren Wintern in den Skigebieten, wenn überhaupt ausreichend Schnee da ist. Die Abdeckung von Gletschern mit Planen etwa in der Schweiz und Österreich sind weitere Mahnbeispiele. Immerhin werden an 600 europäischen Wintersportorten mehr als 50 Milliarden Euro im Jahr umgesetzt. Deutschland könnte beim Anstieg der Temperatur um nur knapp zwei Grad 60 Prozent seiner Wintersporteinnahmen in den Alpen Bayerns verlieren, heißt es in einem der Konferenz vorliegenden Bericht.

Und damit sind die Gefahren für die Tourismusindustrie noch nicht alle benannt: Sie müsse sich vielmehr darauf vorbereiten, dass die Meeresspiegel ansteigen, was direkt Tourismusregionen bedroht, warnten Experten in Davos. Hinzu kämen Veränderungen durch verstärkte Wüstenbildungen. Betroffen seien vor allem kleine Inseln und niedrige Küstenregionen. Genannt wurden in Davos etwa die Malediven, aber auch Venedig, selbst Teile Manhattans und viele bekannte Touristenstrände. Außerdem sind seit 2005 die Hälfte der Korallenbestände an karibischen Bänken verschwunden. Die Gefahr werde noch größer, wenn die Wassertemperatur weiter steige. Im Barat Nationalpark von Bali ging die Zahl der Besucher von 20.000 im Jahr 2000 auf 3100 im vergangenen Jahr zurück.

Für Andreas Müseler, zuständig für Umweltfragen beim drittgrößten deutschen Reiseveranstalter Rewe Touristik, läuten die Alarmglocken schon länger. "Urlaub ist für die Menschen so wichtig, dass man ihn nicht in Frage stellen kann. Wir müssen alles tun, um die Möglichkeiten dafür zu erhalten." Wie andere Tourismusunternehmen arbeitet auch Rewe an Umweltstandards für seine Partner und unterstützt sie bei der Nachhaltigkeit.

Diskussion zu kurz gegriffen

Andreas Matzarakis, Meteorologe an der Freiburger Universität und Klimaforscher, sieht die Diskussion zu kurz gegriffen. "Wenn Tourismusunternehmer vom Klima reden, dann meinen sie das Wetter." Er wünscht sich mehr wissenschaftlichen Sachverstand für ein Phänomen, das die Welt nicht nur jetzt, sondern über Jahrzehnte verändern wird. Dass nur etwa drei Wissenschaftler in Davos mitdiskutieren, hält Matzarakis für einen Fehler. "Wir können Entwicklungen berechnen, auf die sich auch die Industrie letztlich einstellen kann - aber nur über längere Zeiträume."

Der Generaldirektor der Welttourismus-Organisation, Francesco Frangialli, sieht den Tourismus als Verursacher und Opfer des Klimawandels. "Bis 2020 wird sich diese Industrie verdoppeln. Da können wir es uns nicht leisten, auch unsere Emissionen zu verdoppeln", warnte er in Davos. Gleichzeitig wurde aber auch deutlich, dass sich durch den Klimawandel neue touristische Möglichkeiten auftun könnten: Wandern im Winter etwa - in Davos. (mit dpa)

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