Konferenz zur E-Mobilität : Kaltstart für E-Autos

Die Bundesregierung will, dass bis 2020 eine Millionen E-Autos auf deutschen Straßen unterwegs sind. Auf einer nationalen Plattform erarbeiten Vertreter aus Industrie und Politik entsprechende Vorschläge, wie das zu schaffen ist.

von
Einmal vollladen, bitte. In mehreren „Schaufenster-Regionen“ soll Elektromobilität in der Praxis demonstriert werden. Wie in Berlin, wo die Post E-Transporter erprobt. Foto: dpa
Einmal vollladen, bitte. In mehreren „Schaufenster-Regionen“ soll Elektromobilität in der Praxis demonstriert werden. Wie in...Foto: dpa

Der deutsche Markt für Elektromobilität wird sich frühestens 2018 selbst tragen. Weil nach den Vorstellungen der Bundesregierung aber schon bis 2020 eine Million E-Autos auf deutschen Straßen unterwegs sein sollen (aktuell: sind es 2300), müssten Hersteller, Zulieferer und Nutzer staatlich unterstützt werden. Neben Steuergutschriften, Sonderabschreibungen und einem Ausgleich für Dienstwagennutzer soll es aber keine direkten Kaufprämien für E-Autos wie in anderen Ländern geben.

Die von der Bundesregierung eingesetzte Nationalen Plattform Elektromobilität (NPE), in der Vertreter der Autoindustrie und der Energiewirtschaft, von Technologiekonzernen und Verbänden sitzen, hat für die Jahre 2012 bis 2014 ein Investitionsvolumen von rund vier Milliarden Euro identifiziert. Dabei handelt es sich um das Gesamtvolumen der von der Plattform erarbeiteten Projekte in der Marktvorbereitungsphase. Der größte Anteil von fast einer Milliarde Euro entfällt auf die Entwicklung der Batterietechnik. Wie hoch die Förderung durch den Bund insgesamt ausfällt, wird in den zuständigen Ministerien noch diskutiert.

„Wenn alle Beteiligten jetzt richtig investieren, wird sich der Markt ab 2018 selbst tragen“, sagte Henning Kagermann, Vorsitzender der NPE, am Mittwochabend in Berlin. Der Staat nehme dann mehr ein, als er ausgeben müsse. Anreize hält Kagermann für unabdingbar: „Wenn wir nichts tun, werden es 2020 deutlich weniger als eine Million Elektroautos sein.“ Ein Jahr nach ihrer Gründung wird die NPE am kommenden Montag Bundeskanzlerin Angela Merkel ihren Abschlussbericht übergeben.

Kagermann drängt zur Eile: „Der Markt muss jetzt mit viel Schwung aufgebaut werden.“ Andere Länder wie Frankreich, die USA oder China förderten die Elektromobilität massiv, Wettbewerber der deutschen Industrie seien am Start. In der Vorbereitungsphase bis 2014 müssten möglichst viele Elektrofahrzeuge auf die Straße, um Erfahrungen zu sammeln und Skaleneffekte zu erzielen – also Stückzahlen, bei denen sich die Kosten der Fahrzeuge und ihrer Batterien reduzieren lassen. „Man muss es am Anfang richtig machen, auch damit sich der Staat früher zurückziehen kann“, sagte Kagermann. Als „kritische Phase“ für das Gelingen der elektromobilen Markteroberung sieht er die Jahre 2014 bis 2017. Wer sich ein E-Auto anschaffe, müsse auch in zehn Jahren noch mit höheren Anschaffungskosten rechnen: „Auch 2020 werden Elektroautos noch ein paar tausend Euro teurer sein als herkömmliche Fahrzeuge“, sagte Kagermann.

Guido Zielke, Leiter der Gemeinsamen Geschäftsstelle Elektromobilität der Bundesregierung, sagte eine rasche Entscheidung des Bundes zu. „Die Antwort der Regierung wird schneller kommen, als mancher in der Industrie gedacht hat“, sagte Zielke. Derzeit werde an einem Regierungsprogramm zur Förderung der Elektromobilität gearbeitet.

Drei bis fünf „Schaufenster“-Städte und -Regionen können sich künftig bewerben, in denen Elektromobilität in der Praxis demonstriert wird – von der Änderung der Straßenverkehrsordnung bis zur Erprobung von Fahrzeugen. Auch Berlin will dabei sein. Insgesamt sechs „Leuchtturmprojekte“ definieren, welche Themen in den Schaufenstern besondere Beachtung finden – etwa die Batterietechnik, die Ladeinfrastruktur oder das Recycling. Firmenkonsortien können sich für diese „Themencluster“ bewerben. „Die Schaufenster werden das Labor der Elektromobilität sein“, sagte Zielke.

Kagermann zufolge soll in Ulm eine Pilotfabrik zur Erforschung der Batterieproduktion errichtet werden. Die Industrie ist inzwischen davon überzeugt, dass auch die Batteriezellen in Deutschland produziert und nicht aus Asien importiert werden sollen. „Wir müssen schnell damit anfangen“, sagte Kagermann. Es gehe nicht darum, Fabriken und Verfahren für einzelne Unternehmen zu subventionieren. „Es geht um die Förderung der Entwicklung von Produktionsverfahren, die großserientauglich sind.“

3 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben