Wirtschaft : Konflikte, die die Welt nicht braucht

Carsten Brönstrup

Ist das Kind erst einmal in den Brunnen gefallen, ist das Geschrei meist nicht zu überhören. So auch im Falle Argentiniens: Laut streiten die Regierung und der Internationale Währungsfonds (IWF) darüber, wer die Schuld an der schweren Wirtschaftskrise des Landes trägt und, vor allem, welcher Weg in eine bessere Zukunft einzuschlagen wäre. Argentinien wirft dem IWF Ahnungslosigkeit sowie Praxisferne vor und verbittet sich kluge Ratschläge aus dem fernen Washington. Der Währungsfonds wiederum geißelt die Sturheit der Politiker in Buenos Aires bei der Umsetzung von Reformen, welche die Misere beenden könnten.

Derartige Streitereien sind aber das Letzte, was das gebeutelte lateinamerikanische Land derzeit gebrauchen kann. Noch immer steht es am Rande eines Bürgerkriegs. Und die Maßnahmen der Regierung - die Abwertung des Peso und die Liberalisierung des Geldverkehrs - reichen nicht aus, das Land aus Überschuldung und Rezession zu führen. Aber auch der IWF hat keinen Grund, sich auf Kosten der argentinischen Regierung zu profilieren. Schließlich trägt er eine gehörige Mitschuld daran, dass es überhaupt so schlimm kommen konnte - hat er doch mitten in einer Wirtschaftskrise Steuererhöhungen durchgesetzt und nicht rechtzeitig auf ein Ende der Bindung des Peso an den Dollar gedrungen.

Es kann also nur Verlierer geben, wenn beide Seiten ihr Gezänk nicht schleunigst beenden. Ohne weitere Milliarden vom IWF wird die akute Krise nicht zu lösen sein. Das geht freilich nur, wenn auch Argentinien seine Kernprobleme angeht und den Kampf gegen Korruption, Verschwendung und Steuer-Erosion aufnimmt.

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