Kongress über die Zukunft der Welternährung : „Der Tisch ist nicht für alle gedeckt“

Beim „Future Food Forum“ des Dax-Konzerns K+S diskutieren Politik und Wirtschaft über die Probleme der Welternährung.

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Diese Kinder in einer Grundschule in der Nähe von Harare, der Hauptstadt Simbabwes, erhalten mit Hilfe des Kinderhilfswerks Unicef zumindest ein Mal täglich etwas zu essen. Afrika ist besonders von Hunger betroffen.
Diese Kinder in einer Grundschule in der Nähe von Harare, der Hauptstadt Simbabwes, erhalten mit Hilfe des Kinderhilfswerks Unicef...Foto: picture-alliance/ dpa

Die Weltbevölkerung wächst rapide: Jedes Jahr kommen rund 80 Millionen Menschen zu den bereits existenten hinzu. Sie zu versorgen, stellt bereits heute in vielen Regionen der Welt ein Problem dar: Rund 800 Millionen Menschen auf dem Globus sind derzeit laut dem gerade vorgestellten Welthungerindex von Hunger betroffen. Laut Schätzungen werden im Jahr 2050 neun Milliarden Menschen auf der Erde leben. Gleichzeitig steht für die Ernährung der Weltbevölkerung immer weniger Platz zur Verfügung – in 34 Jahren muss für die Versorgung eines Einzelnen mit Nahrungsmitteln die Fläche eines halben Fußballfeldes ausreichen. Das Bevölkerungswachstum und die Welternährung sind die beiden thematischen Pfeiler, um die sich die Vorträge und Podiumsdiskussionen am Donnerstag auf dem Forum „Future Food“ drehen. Der Kasseler Dax-Konzern K+S hatte dafür bereits zum zweiten Mal Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft nach Berlin geladen. Das Unternehmen ist nach eigenen Angaben einer der weltweit führenden Hersteller natürlicher Düngemittel auf der Basis von Kali und Magnesium.

Landwirtschaftliche Produktion wird immer wichtiger

Norbert Steiner, Vorstandsvorsitzender von K+S, verwies in seiner Eröffnungsrede auf die Bedeutung von Nahrung als existenzielle Grundlage des Lebens und hob die Verantwortung der Weltgemeinschaft hervor. „Das Recht auf ausreichende Ernährung ist ein Menschenrecht“, sagte Steiner. „Das Thema geht uns auch in Deutschland und Europa an.“ Der Landwirtschaft überall auf der Welt komme eine immer wichtigere Rolle zu. Dabei sei es vor allem der ländliche Raum in den Schwellenländern, der sich entwickeln müsse, um dem steigenden Nahrungsbedarf gerecht zu werden. In vielen Ländern gebe es mit Blick auf den Einsatz von Wasser und die Bewirtschaftung von Böden häufig zu wenig Know How und nur eine unzureichende Infrastruktur. „Hier werden gewaltige Anstrengungen nötig sein“, sagte Steiner. Dennoch gebe es insgesamt auf der Erde „einen immensen Reichtum an Ressourcen“. Allerdings müssten diese effizienter genutzt werden.

Die Welt muss über die faire Verteilung von Ressourcen nachdenken

Effizienz sei die eine Seite der Medaille, eine gerechtere Verteilung von Ressourcen die andere, sagte Klaus Töpfer. Der ehemalige Exekutivdirektor des Potsdamer Institute for Advanced Sustainability Studies (IASS) und Bundesumweltminister a.D. zitierte in seinem Vortrag den britischen Nationalökonom Robert Thomas Malthus, der sich bereits Anfangs des 19. Jahrhunderts mit der ungleichen Verteilung von Ressourcen beschäftigt hatte. Seine Formel „Der Tisch ist nicht für alle gedeckt“, gelte noch heute, sagte Töpfer. Die Politik müsse die stetig wachsenden Unterschiede zwischen Armen und Reichen auf der Erde beseitigen und die Grundbedürfnisse aller stillen, forderte er. „Wenn wir nichts unternehmen, wird es sehr große Bevölkerungsbewegungen geben.“ Aber auch die Menschheit müsse umdenken, damit etwa landwirtschaftliche Erträge auch dort ankämen, wo sie benötigt würden. Derzeit kommen laut Töpfer etwa 1,3 Millionen Lebensmittel nicht auf den Tisch – die Hälfte davon wird gekauft, dann aber nicht verzehrt und in den Müll geworfen. An die Wirtschaft richtete der ehemalige Umweltminister den Appell, den Blick nicht nur aufs Geschäft und den Verkauf von Produkten zu richten. „Was beim Thema Welternährung zählt, ist der langfristige Fortschritt, nicht nur der kurzfristige Erfolg in der Bilanz eines Unternehmens.

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