Wirtschaft : Konjunktur 2001: Forschungsinstitute senken ihre Wachstumsprognose

Das Wachstum in der Bundesrepublik wird nach Einschätzung der sechs führenden Wirtschaftsforschungsinstitute 2001 deutlich schwächer ausfallen als von der Regierung prognostiziert. In ihrem Frühjahrsgutachten erwarten sie der Nachrichtenagentur AP zufolge ein Konjunkturplus von etwa zwei Prozent. Nach bisherigem Beratungsstand sind 2,1 Prozent vorgesehen. Eine offizielle Bestätigung der Institute gab es allerdings nicht. Sie wiesen darauf hin, dass das Gutachten noch nicht abgeschlossen sei. Noch im Herbst hatten die Institute für 2001 ein Plus von 2,7 Prozent vorhergesagt. Die neue Prognose wird am Dienstag veröffentlicht. Sollten die Institute bei etwa zwei Prozent bleiben, dürfte die Bundesregierung ihre Vorhersage senken. Diese wiederum hat Einfluss auf die Steuerschätzung im Frühjahr.

Trotz der pessimistischeren Einschätzungen sieht Kanzler Gerhard Schröder (SPD) keinen Grund, die bisherige Wachstumsvorhersage der Regierung zu korrigieren. Es mache keinen Sinn, Monat für Monat neue Prognosen abzugeben, sagte er. Abgerechnet werde erst am Jahresende. Die Koalition rechnet bislang mit einem Anstieg zwischen 2,6 und 2,9 Prozent. Der Wirtschaftsweise und Präsident des Instituts für Weltwirtschaft, Horst Siebert, nannte 2,1 Prozent als realistischen Wert. Finanzminister Hans Eichel (SPD) hatte eingeräumt, eine "etwas ungünstigere Wirtschafts- und Haushaltsentwicklung als geplant" sei möglich. Der CSU-Landesgruppenchef im Bundestag, Michael Glos, warf dem Minister die "Fälschung der Wachstumszahlen" vor. Eichel müsse nun "Farbe bekennen", forderte Glos.

Ein Sprecher des EU-Währungskommissar Pedro Solbes sagte, Zeichen einer "Verlangsamung" des Wirtschaftswachstums in Europa seien unverkennbar. Die Kommission rechne daher mit einem Wachstum in diesem Jahr von "nicht weit von drei Prozent".

Unterdessen ist das Vertrauen in die europäische Wirtschaftskraft im März weiter gesunken. Nach Rückgängen bereits im Januar und Februar fiel der Index für die 15 EU-Staaten im März erneut um 0,5 Punkte auf 102,2, wie die EU-Kommission am Dienstag in Brüssel mitteilte. Allerdings blieb das Vertrauen der Verbraucher auch im März auf einem "historisch hohen" Stand.

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